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Klassische Musik und Oper von Classissima

Georg Friedrich HĂ€ndel

Mittwoch 22. Oktober 2014


ouverture

19. Oktober

Grieg: Klavierwerke Mozarts

ouverture„Was du ererbt von deinen Vätern – erwirb es, um es zu besitzen!“ Dieses Motto gilt nicht zuletzt für den Um- gang der Romantiker mit den Werken früherer Generationen. Sie schätzten die Musik von Bach, Händel und Mozart ja durchaus – aber wo die Stücke ihnen unvollkommen vor- kamen, scheuten sie sich nicht, sie zu ergänzen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Klavierbegleitung, mit der Robert Schumann seinerzeit die Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach versehen hat.  Weniger bekannt ist ein ähnliches Projekt, mit dem Edvard Grieg 1879/80 Mozart „überarbeitet“ hat. Dazu schrieb Grieg 1897: „Der Verfasser dieses Aufsatzes versuchte mit der Heranziehung eines zweiten Klaviers einigen Mozartschen Klavier- sonaten eine unserem Tonempfinden entsprechende klangliche Wirkung zu verleihen und muß ausdrücklich bemerken, daß er voll schuldigen Respekts gegen den großen Meister keine einzige von Mozarts Noten veränderte. (..) Doch vorausgesetzt, ein Mann folgt nicht dem Beispiel Gounods, der ein Bachsches Präludium zu einem modernen, sentimenta- len und trivialen Schaustück verballhornte, das ich durchaus mißbillige, sondern sucht die stilistische Einheit zu wahren, so ist doch wahrhaftig kein Grund vorhanden, ein großes Entrüstungsgeschrei zu erheben, wenn er den Versuch einer Modernisierung wagt als einer Tat, die aus der Bewunderung für einen alten Meister entsprang.“  Das Resultat dieses Experiments präsentieren Jimin Oh-Havenith und Raymund Havenith auf dieser CD. Es ist kurios, wie Grieg in seinen Bearbeitungen das musikalische Material verändert. So findet er tatsächlich Gelegenheit, Mozart originär norwegische Rhythmen „unterzujubeln“ -– das ganze Leben ein Springtanz! –, und ihn mit der Grieg-typischen Harmonik zu verwandeln, in einen „MoGrieg“, wie Havenith schreibt. Das alles erreichte Grieg allein durch das Hinzufügen des zweiten Klavierparts. Das Ergebnis ist in der Tat hörenswert.

Brilliant Classics Blog

17. Oktober

Brilliant Classics: Neuheiten im November 2014

Jeden Monat erscheinen bei Brilliant Classics hochkarätige Neuproduktionen, interessante Wiederveröffentlichungen, Lizenzaufnahmen und enzyklopädische Sammler-Editionen. Auch dieses Mal informiere ich in meinem Neuheiten-Artikel kurz über alle kommenden Neuheiten. Sämtliche in diesem Artikel vorgestellten Titel kommen in Deutschland, Österreich und der Schweiz am 31. Oktober 2014 in den Handel. Eine Auswahl der hier vorgestellten Titel wird im Laufe der folgenden Wochen ausführlich im Blog vorgestellt werden. Anmerkung zur Schreibweise von Albumtiteln, Komponisten und Künstlern: Aus Gründen der Einfachheit und Einheitlichkeit orientiere ich mich an der auf dem Cover verwendeten, englischsprachigen Orthografie. Vivaldi Edition Various Artists Epoche: Barock | Werkssammlung Brilliant Classics 94840 (66CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948409 Die vorliegende “Vivaldi Edition” bietet auf 66 CDs einen enzyklopädischen Überblick über das Schaffen des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi (1678-1741) und fasst eine breite Auswahl seiner geistlichen Werke und Opern, seiner Kammermusik und Konzerte zusammen. Weltweit anerkannte Barock-Experten ersten Ranges wie Federico Maria Sardelli und sein Ensemble Modo Antiquo, Rinaldo Alessandrini und das Concerto Italiano und vor allem Federico Guglielmo und sein exquisites Orchester L’Arte dell’Arco musizieren auf historischen Instrumenten und bürgen für höchstmögliche Authentizität. Zu den zahlreichen Highlights dieser in Umfang und Qualität einzigartigen Sammlung gehören selbstverständlich die zwölf Werkszyklen mit Opuszahlen, darunter die Violinkonzerte-Sammlungen “L’estro armonico” op. 3, “La stravaganza” op. 4, “La cetra” op. 9 und “Il cimento dell’armonia e dell’inventione” op. 8 (mit den “Vier Jahreszeiten”), die Triosonaten op. 1 und die Violinsonaten opp. 2 und 5. Außerdem enthalten sind die Opern “Ottone in villa” und “Teuzzone” sowie das Oratorium “Juditha triumphans”. Ferner umfasst die Edition zahlreiche weitere Konzerte und Sonaten sowie weltliche Kantaten und geistliche Werke wie das “Stabat Mater” RV 621, das “Dixit Dominus” RV 595, das “Magnificat” RV 610 und die Psalmen RV 604 und 605. ♦ Giovanni Albini: Musica Sacra Coro della Facoltà di Musicologia, Cremona · 15.19ensemble · Il Giardino Delle Muse Epoche: zeitgenössische Musik | sakrale Musik Brilliant Classics 95072 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421950723 Auf der vorliegenden CD “Musica Sacra” sind vier geistliche Werke von Giovanni Albini (*1982) als Weltersteinspielungen zusammengefasst: “Pange lingua” (aus dem Jahre 2014) und “Missa Prima” (2012), beide für Kammerorchester und Chor, “Testamento Spirituale” (2013) für Bläserquartett und “Preghiera” (2014) für Blockflöten-Trio. Zu hören sind der Chor der musikwissenschaftlichen Fakultät aus Cremona (eine Außenstelle der Universität Pavia), das Kammerorchester 15.19ensemble und das Blockflöten-Trio Il Giardino Delle Muse. ♦ Carlos Chávez: Complete Symphonies London Symphony Orchestra, Eduardo Mata Epoche: Moderne | sinfonische Musik Brilliant Classics 94858 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948584 In einer Zeit, in der das Gros der lateinamerikanischen Komponisten die Sinfonie als Ausdrucksform vernachlässigte, beschäftigte Carlos Chávez (1899-1978) sich intensiv mit der Form. Die vorliegende CD fasst Aufnahmen seiner sechs Sinfonien in exemplarischen Aufnahmen des London Symphony Orchestra unter der Leitung des mexikanischen Dirigenten Eduardo Mata zusammen, einem ausgewiesenen Experten der lateinamerikanischen Moderne. Die drei einsätzigen Sinfonien, darunter sein bekanntestes Werk, die “Sinfonía India” (aus dem Jahre 1936) und drei mehrsätzige Kompositionen belegen Chávez außerordentliches Geschick die Musik seiner Heimat mit den Ausdrucksformen der Kunstmusik schlüssig zu verschmelzen. ♦ Ferdinando Carulli: Solo Guitar Music Nicola Jappelli Epoche: Romantik | Gitarrenmusik Brilliant Classics 94917 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421949178 Der Mailänder Gitarrist Nicola Jappelli , selbst ein vielversprechender Komponist hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Musik von Ferdinando Carulli (1770–1841) zu der Aufmerksamkeit zu verhelfen, die ihr künstlerisch und historisch gebührt. Für die vorliegende CD hat Jappelli ein Programm zusammengestellt, das ausschließlich aus bisher nicht eingespielten Werken besteht und das doch einige der eindrucksvollsten Kompositionen Carullis beinhaltet. Dabei stehen sein natürlicher Sinn für alles Gefühlsbetonte und sein eleganter, virtuoser Stil mit seinen Glissandi, schnellen Arpeggien und lebhaften Verzierungen im Mittelpunkt. ♦ Padre Davide da Bergamo: Organ Music Marco Ruggeri Epoche: Romantik | Orgelmusik Brilliant Classics 94964 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421949642 Zu Lebzeiten als einer der besten Organisten südlich der Alpen berühmt, ist Padre Davide da Bergamo (getauft als Felice Moretti, 1791–1863) heute selbst in seiner italienischen Heimat nahezu vergessen. Als Komponist hinterließ er ein eindrucksvolles Œuvre, das über 2000 Kompositionen für die Orgel und rund 500 Vokalwerke enthielt. Die vorliegende Doppel-CD stellt eine Auswahl an Sinfonias und Sonaten aus seiner suggestiven, von der Oper beeinflussten Orgelmusik vor. Der italienische Organist Marco Ruggeri spielt an den im 19. Jahrhundert erbauten Orgeln der Pfarrkirchen von Villa di Serio und Almenno San Salvatore (beide Norditalien). ♦ Francesco da Milano: Music for Lute Sandro Volta Epoche: Renaissance | Lautenmusik Brilliant Classics 94993 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421949932 Der italienische Renaissance-Experte und Lautenist Sandro Volta hat für die vorliegende CD zehn Ricercare und zwölf Fantasien als Querschnitt aus dem Œuvre von Francesco Canova da Milano (1497–1543) ausgewählt. Sie reflektieren exemplarisch die allmähliche Evolution der solistischen Instrumentalmusik im frühen 16. Jahrhundert und ihre Emanzipation von der polyphonen Vokalmusik, die noch eine Generation zuvor die europäische Musikwelt maßgeblich prägte. Ausgehend von der Imitation der Ornamentik der (gesungenen) Madrigale prägte Da Milano mit seiner Musik maßgeblich den ‘neuen Klang’ eines beginnenden musikalischen Paradigmen-Wechsels. ♦ Peter Philips · Jan Pieterszoon Sweelinck: Fitzwilliam Virginal Book, Vol. 3 Pieter-Jan Belder Epoche: Renaissance | Cembalomusik Brilliant Classics 94449 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421944494 Der Schwerpunkt der dritten Doppel-CD in der Fitzwilliam-Reihe liegt auf Werken des Engländers Peter Philips (1561–1628) und des niederländischen Komponisten Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621). Während das Fitzwilliam Virginal Book normalerweise exemplarisch englische Cembalomusik des elisabethanischen Zeitalters zusammenfasst, sind die Werke Philips’ und Sweelincks eher kontinental, speziell niederländisch geprägt. Als Instrumente nutzt Pieter-Jan Belder Nachbauten eines italienisches Cembalos nach Giusti (von Cornelis Bom, 2003 erbaut) und eines flämischen Cembalos nach Ruckers (von Gerhard Boogaard, 2012). ♦ Camille Saint-Saëns: Violin Sonatas Mauro Tortorelli, Violine Angela Meluso, Klavier Epoche: Romantik | Kammermusik Brilliant Classics 94848 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948485 Die vorliegende CD des italienischen Duos Tortorelli-Meluso fasst zwei Violinsonaten in d-Moll op. 75 und Es-Dur op. 102 sowie die Berceuse in H-Dur op. 38 und das “Triptyque” op. 136 für Violine und Klavier von Camille Saint-Saëns (1835–1921) zusammen. Die Werke erweisen sich als weitaus weniger konservativ, als man es gemeinhin bei Saint-Saëns vermuten würde: So überrascht beispielsweise die erste Sonate immer wieder mit raschen Wechseln des Metrums, die zweite Sonate verblüfft durch zahlreiche Kreuzrhythmen. Mauro Tortorelli und Angela Meluso treten seit vielen Jahren als Duo auf und haben sich bei ihren umjubelten Konzerten als technisch versierte und einfühlsame Experten für romantische Kammermusik nachdrücklich empfohlen. ♦ Federico Maria Sardelli: Sacred Music Modo Antiquo, Federico Maria Sardelli Epoche: zeitgenössische Barockmusik | sakrale Musik Brilliant Classics 95068 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421950686 Der Dirigent Federico Maria Sardelli (*1963) hat sich einen Namen als herausragender Interpret italienischer Barockmusik gemacht. Mit dem Erstellen der neuen kritischen Notenausgabe der Werke Vivaldis für das venezianische Vivaldi-Institut, leistet er der Musikwelt gerade einen Dienst von unschätzbarem Nutzen. Seine eigene Barockmusik definiert er selbstbewusst als »neues Leben für einen toten Stil«. Die vorliegende CD fasst fünf seiner sakralen Werke zusammen: das “Dixit Dominus”, das Kyrie in e-Moll und das Credo in C-Dur sowie zwei Konzerte. Sardelli leitet sein Modo-Antiquo-Ensemble und den neu gegründeten Chor Accademia dei Dissennati. ♦ Various Composers: Classics for the People Vol. 2 Royal Philharmonic Orchestra, Various Conductors Epoche: Barock · Wiener Klassik · Romantik · Moderne | Sampler Brilliant Classics 94935 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421949352 Auch der zweite Teil der “Classics for the People”-Reihe des weltberühmten Royal Philharmonic Orchestra fasst populäre Melodien der klassischen Musik zusammen: Zu hören sind unter anderem Werke von Bizet, Gershwin, Grieg, Lehár, Puccini, Rossini, R. Strauss, Suppé, Tschaikowsky, Verdi und Wagner. ♦ Various: Organ Music for Christmas Christian Lambour Epoche: Barock · Romantik | Orgelmusik · Weihnachten Brilliant Classics 94101 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421941011 In der französischen Musiktradition ist das Weihnachtsfest eng mit der Orgel verknüpft. Angefangen von den spätbarocken Werken von Pierre und Jean-François Dandrieu, Claude Balbastre und Michel Corette bis hin zu den spätromantischen Miniaturen von Alexandre Guilmant und Théodore Dubois fasst die vorliegende CD französische Orgelmusik zur Weihnacht aus drei Jahrhunderten zusammen. Das Herzstück des Albums bilden die Kompositionen der Romantiker César Franck, Alexis Chauvet und Alexandre Pierre François Boëly. Der niederländische Organist Christian Lambour spielt an der Orgel des früheren Benedektinerklosters Neu St. Johann (Schweiz). ♦ Various: Overtures for Organ Four Hands Pietro Pasquini & Francesco Zuvadelli Epoche: Barock · Klassik · Romantik | Orgelmusik Brilliant Classics 94954 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421949543 Transkriptionen für Orgel zu vier Händen waren im 19. Jahrhundert nichts Unübliches und oft die einzig praktikable Methode, um großangelegte orchestrale Werke bis in die hintersten Winkel des Landes bekannt zu machen: Eine Orgel fand sich überall; ein Orchester hatte längst nicht jeder Ort zu bieten. Die vorliegende CD der beiden italienischen Organisten Pietro Pasquini und Francesco Zuvadelli greift diese romantische Tradition auf und fasst neun Arrangements populärer Ouvertüren zusammen: Von Händels “Wassermusik” bis zu Tschaikowskys “Nussknacker” erklingen die im Konzertsaal und auf der Bühne erprobten Werke überraschend anders. ♦ Various: Mysterious Nativity – Music for choir by G. Sviridov, A. Schnittke, D. Tchesnokov Les Métaboles, Léo Warynski Epoche: zeitgenössische Musik | sakrale Musik Brilliant Classics 95080 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421950808 In der säkularisierten Gegenwart ist die Wiederbelebung der geistlichen Musik ein bemerkenswertes Phänomen: Die vorliegende CD stellt sieben geistliche Werke von fünf zeitgenössischen Komponisten aus Osteuropa vor: die “Three Sacred Hymns” des Russen Alfred Schnittke, das “Magnificat” des Esten Arvo Pärt, “O salutaris hostia” des Litauers Vytautus Miškinis, “Mysterious Nativity” und “Sviatyï Boje” des Russen Georgy Sviridov sowie die “Three Sacred Songs” und das “Ave verum corpus” des ukrainischen Komponisten Dimitri Tchesnokov. Es musiziert das französische Ensemble Les Métaboles, das seit einigen Jahren eng mit Tchesnokov zusammenarbeitet. ♦ Various: Neapolitan Keyboard Music Stefano Innocenti, Cembalo & Orgel Epoche: Renaissance · Barock | Cembalomusik · Orgelmusik Brilliant Classics 94992 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421949925 Im 17. Jahrhundert war Neapel ein pulsierendes kulturelles Zentrum, das die Musik vieler Gattungen in ganz Europa beeinflusste. So prägte die “neapolitanische Schule” die Musik für Tasteninstrumente südlich der Alpen maßgeblich. Die vorliegende CD des Cembalisten und Organisten Stefano Innocenti fasst einige der interessantesten neapolitanischen Clavierwerke des späten 16. bis frühen 18. Jahrhunderts zusammen. Herausragende Komponisten wie de Macque, Trabaci, Alessandro Scarlatti und sein Sohn Domenico gestalteten über Generationen den besonderen Stil der Stadt und waren mit ihren Innovationen und Experimenten ihrer Zeit weit voraus.






Crescendo

14. Oktober

John & Arthur Beare: Erste Adresse für Streichinstrumente - John & Arthur Beare: Erste Adresse

Seit 1892 verwaltet und repariert die Firma John & Arthur Beare hochwertige Streichinstrumente. Autorin Dorothea Walchshäusl durfte das Hauptquartier in Londons Edelviertel Marylebone besuchen und fand neben sympathischen Hausherren viele wertvolle Schätze. Das Herz der Firma „J & A Beare“ im schmucken Gebäude in der Londoner Queen Anne Street 30 schlägt im Keller rechts hinten, gleich neben verstaubten Geigenkoffern, gelagerten Holzbrettern und ein paar Pappkartons. „Anti Explosive & Anti-Blowpipe Devices“ prangt dort auf einer tonnenschweren Stahltür, dahinter verborgen schlummern einbruchsicher und wohlbehütet die Kronjuwelen unter den Streichinstrumenten: Celli und Geigen, die so viel kosten wie eine Villa an der Côte d’Azur. „Wir haben Zeiten, in denen lagern hier Instrumente im Wert von 100 Millionen Dollar“, sagt Direktor Steven Smith und lächelt leise, dann streicht er zärtlich über den Hals einer haselnussbraunen Stradivari und legt sie zurück in das schlichte Aufbewahrungsfach. Das fensterlose Kellerloch mit den Holzregalen ist für Smith der wohl „sicherste Ort der Welt“ für derartige Werte, zuhauf liegen und stehen sie hier in diesem Tresor, jedes Ins­trument für sich ein Geniestreich, ein Meisterwerk mit großer Geschichte und einem Klang für die Ewigkeit. "Zwei englische Herren mittleren Alters, höflich, bescheiden, charmant, mit offenem Blick und feinem Humor." Der Handel mit sogenannten „High-End-Streichinstrumenten“ ist eine mythenreiche und mitunter hybride Welt, die ebenso viel Raum für Legendenbildung lässt wie für den Kampf um das ganz große Geld. Nur noch 650 Stradivaris gibt es auf der Welt, und auch die Zahl der weiteren erstklassigen alten Streichinstrumente ist überschaubar. Das Angebot ist demnach begrenzt, der Handel in sich geschlossen, die Wertentwicklung enorm und der Reiz hoch, dies auszunutzen. In Wirtschaftsmagazinen häufen sich die Artikel über Geigen, von hohen Renditen ist die Rede, von Investments und Wertzuwächsen, und es scheint ein schöner Zufall zu sein, dass „fiddle“ im Englischen nicht nur „Geige“, sondern auch „betrügen“ heißt. Felix Gargerle, Erster Geiger an der Bayerischen Staatsoper und Musikproduzent, vergleicht die Stimmung in der Branche mit dem Goldgräberfieber: „Die Verlockung, hier Mist zu machen, ist so groß, dass auch ständig Mist gemacht wird.“ J & A Beare gleicht inmitten dieser Welt einer unaufgeregten Oase. Sechs Stockwerke umfasst das Haus im Zentrum Londons, und betritt man den Empfangsraum, so umfängt einen die familiäre Atmosphäre konzentrierter Geschäftigkeit. 1892 wurde die Firma von John und Arthur Beare gegründet, seither ist sie stetig gewachsen und zählt die renommiertesten Solisten zu ihren Kunden. Ob Jacqueline du Pré, Yehudi Menuhin, Nigel Kennedy oder Joshua Bell – alle verbindet sie mit J & A Beare das wohl kostbarste Gut, das sie besitzen: ihr musikalischer Partner fürs Leben, ihr Instrument. Heute wird die Firma von Steven Smith und Simon Morris geführt, die direkt an die J & A Beare-Tradition in Sachen Geigenzertifizierung, Restauration und Handel anknüpfen und in den vergangenen Jahren für mehrere große Deals verantwortlich waren. Den Fulton-Deal etwa, bei dem Instrumente des Microsoft-Mil­liardärs David L. Fulton im Wert von knapp 50 Millionen Dollar an das St. Petersburger Mariinsky-Theater verkauft wurden, oder den Verkauf der „Vieuxtemps“-Geige des Geigenbauers Giuseppe Guarneri, deren (geheimer) Preis laut Smith noch über dem der bisherigen Spitzenreiterin lag, der „Lady Blunt“ von Antonio Stradivari, die 2011 für 15,9 Millionen US-Dollar versteigert wurde. Dass Streichinstrumente einen derartigen Wert erhalten können, ist dabei nicht erst eine Erscheinung der Gegenwart. Die Beares-Direktoren Smith und Morris kennen sich schon lange, sie hatten früher einen eigenen Geigenhandel, 1998 fusionierten sie mit J & A Beare, seit 2012 leiten sie das Geschäft. Sie könnten auch Brüder sein: zwei englische Herren mittleren Alters, höflich, bescheiden, charmant, mit offenem Blick und feinem Humor. Bevor sie in den Geigenhandel einstiegen, haben sie als professionelle Musiker ihr Geld verdient: Smith als Geiger, Morris als Cellist. „Dass wir beide Musiker sind, ist entscheidend“, sagt Steven Smith. „Wir verstehen, was die Musiker suchen, die zu uns kommen.“ Meistens treffen die Direktoren und ihre Kunden das erste Mal im Ausstellungssaal aufeinander, einem wohnlichen Raum mit Kronleuchter und gediegenem Teppich. Auf dem Kaminsims harren alte Metronome dem Schlagen des Taktes, im übermannsgroßen goldumrahmten Spiegel reflektieren die im weißen Regal ausgestellten Geigen, dunkelrote, rostbraune oder lehmfarbene Klangkörper, Schnecke an Schnecke, Korpus an Korpus. Auf dem runden Tisch steht der obligatorische englische Tee samt Cookies bereit. Dies ist der Ort, an dem Musiker das erste Mal ihrem zukünftigen „Partner“ begegnen, der Platz für das erste Date, die erste Berührung, die Liebe auf den ersten oder zweiten Ton. Auch Josef Kröner hat die Beares-Direktoren hier kennengelernt. 27 Jahre lang war Kröner Erster Geiger beim Bayerischen Rundfunkorchester, er hat das Orchester Klangverwaltung mitgegründet und ist heute Manager und Musiker zugleich. Der Zauber der alten Instrumente aber hat ihn erst bei J & A Beare erfasst. Damals begleitete er seine Schülerin Rebekka Hartmann auf der Suche nach dem passenden Instrument; über zehn Jahre ist das mittlerweile her, und seitdem gibt es auch für Kröner kaum eine Alternative mehr zu „den alten Italienern“, wie er sagt. Ebenso wie der Geiger Felix Gargerle spielt Kröner ein antikes Instrument von J & A Beare und beide sind sie von der unvergleichbaren Qualität der alten Meister überzeugt. „Es geht nicht nur um den Klang, es geht um den Stimulanzfaktor, den ein Instrument für den Spieler hat. Und der ist bei alten Instrumenten viel stärker“, so Kröner. Die Beziehung zwischen Instrument und Spieler ist laut Gargerle ein symbiotischer Prozess, und so habe ihm seine Geige ebenso viel abverlangt, wie sie ihm als Musiker gegeben habe. Doch J & A Beare ist nicht nur vertrauensvoller Verkaufsraum, sondern auch die erste Adresse für Reparaturen, denn im Gegensatz zu den meisten Geigenhändlern, die nur mehr reinen Boutiquehandel betreiben, pflegen Smith und Morris eine erstklassige Werkstatt. Um den musikalischen Handwerkern über die Schulter zu schauen, braucht man vom Ausstellungsraum aus nur ein paar Stufen zu erklimmen, dann hat man den feinen Geruch von Lack in der Nase, von Wachs und altem Holz. An den Fenstern baumeln die Geigenstege vor den Dächern der Londoner Innenstadt, ein Bogenbauer inspiziert mit der Lupe die Einspannung der Pferdehaare an einem Cellobogen, ein anderer zieht mit konzentriertem Blick die Wirbel einer Bratsche fest. „Unsere Werkstatt ist extrem wichtig für uns“, sagt Steven Smith, denn es reiche nicht, nur Instrumente an den Mann zu bringen, vielmehr müssten sie auch gepflegt und betreut werden. Bei J & A Beare geschieht das mit inniger Hingabe: Die Handwerker arbeiten mit Opernmusik im Hintergrund in langsamen Bewegungen, sprechen selten, und wenn, dann leise. Neben dem Safe mit zig Millionen schwerem Inhalt ist dieser Ort hier der größte Schatz von J & A Beare. Ergänzt wird er durch ein riesiges Archiv, das sich in den vergilbten Lederbändchen und Aktenordnern in meterlangen Regalen ebenso findet wie in den Köpfen von Steven Smith und Simon Morris. Tausende von Instrumenten haben die beiden in den Händen gehalten und studiert, jede Maserung, jede individuelle Wendung und Besonderheit hat sich bei ihnen eingebrannt. Wenn sie als Experten Zertifikate ausstellen, ist diese Erfahrung ihr größtes Pfund. Sprechen die beiden über Instrumente, so klingt es, als erzählten sie von engen Vertrauten. Mit dem Wissen und den Spuren ihrer Erzeuger im Kopf forschen die beiden Koryphäen nach der Identität der ihnen vorgelegten Klangkörper. „Man kann sich das vorstellen wie bei Verwandten, einem Großvater und seiner Enkelin zum Beispiel, die sich auf den ersten Blick kaum ähnlich sehen, wenn man sie aber genau betrachtet und die Familienbesonderheiten kennt, dann sieht man die Verwandtschaft“, sagt Simon Morris, der die Analogie zu menschlichen Familienbanden für ganz naheliegend hält. Dabei ist für das Erkennen eines Streichinstruments viel mehr als der erste farbliche Eindruck, die Form und die Holzbearbeitung entscheidend: der Schliff der Schnecke zum Beispiel, die feinen Messerspuren am Rande des Klangkörpers, die Biegung der F-Löcher oder die Wölbung des Resonanzbodens. Für viele Parameter gibt es heute wissenschaftliche Testmethoden, die Dendrochronologie etwa, mit Hilfe derer man das Alter des Holzes bestimmen kann. Die Rolle der Experten ist dennoch wichtig, denn auch wenn man das Entstehungsjahr eines Instrumentes kennt, weiß man noch lange nicht, von wem es gebaut wurde. Für Steven Smith und Simon Morris bedeutet dies einen ungemeinen Anspruch. „Wir haben eine riesengroße Verantwortung“, sagt Smith, und Morris ergänzt: „Wir garantieren für unsere Expertise und tragen hierfür die finanzielle Verantwortung. Das zwingt einen, sehr vorsichtig und bedacht zu sein.“ Wer also eine Geige bei J & A Beare kauft oder seine Geige zu Smith und Morris bringt, um sie zertifizieren zu lassen, kann sich einer akribischen Analyse gewiss sein. Für die Musiker ist diese Sicherheit inmitten der unsteten Welt des Streichinstrumentenhandels ein großer Gewinn – vorausgesetzt, sie können sich ein Instrument in dieser preislichen Liga leisten, was nur in den seltensten Fällen vorkommt. Damit die Stradivaris, Guarneris und Amatis trotzdem in die Hände hochtalentierter junger Künstler finden, haben Simon Morris und Steven Smith zusammen mit Josef Kröner 2011 eine Stiftung gegründet und führen in ihrer „Beare᾽s International Violin Society“ systematisch Sponsoren und Musiker zusammen. 14 junge Musiker haben aktuell ein Instrument geliehen, in vielen Fällen zahlen sie nicht einmal die Versicherung. Und was haben die Investoren davon? Die Gewissheit, dass sich ihr musikalischer Diamant in sensiblen Händen befindet. Und die Freude an eben jenem Zauber, der die Menschen beflügelt, seit die ersten Geigen gebaut wurden: dem Klang für die Ewigkeit. Dorothea Walchshäusl

Crescendo

13. Oktober

ECHO Klassik 2014 Spezial: Die Geheimtipps - ECHO Klassik 2014 Spezial: Die Geheimtipps

Sie sind fantastische Musiker, aber in der Fernseh-Gala des ZDF kommen sie nicht vor. Da setzt man auf die großen Namen. Wir haben abseits der Prominenz mal genauer hingehört. Hier sind unsere ECHO Klassik-Geheimtipps 2014! fabergé-quintett Auf der Jagd nach ­Schmuckstücken Als wir das Ensemble gebeten haben, uns doch einen kleinen Fotogruß für unsere Leser zu schicken, haben sie sich kurzerhand den ECHO ihrer Kollegen vom NDR Sinfonieorchester ausgeliehen. Ihre eigene Trophäe bekommen die Fünf für eine Einspielung mit Werken Adolphe Blancs. Als sich die Musiker vom anfänglichen „Hamburger Streichquintett“ in das nach dem gleichnamigen Juwelier benannte fabergé-quintett umtauften, hatten sie es sich zum Ziel gesetzt „musikalische Schmuckstücke“ wieder aus der Vergangenheit hervorzuholen. Wie aber findet man noch unbekannte Musik für diese Besetzung? Der Kontrabassist des Ensembles, Peter Schmidt, hat eine wunderbare Quelle: Als er gerade erst mit dem Kontrabassspielen begonnen hatte, schenkte seine Mutter ihm ein Buch, einen „richtig dicken Schinken“, geschrieben vom Wiener Kontrabassisten Alfred Planyavsky. Der Anhang des Wälzers ist besonders spannend: dort stehen in einem geordneten Verzeichnis alle Werke, in denen ein Kontrabass besetzt ist, „vom einzelnen Kontrabass bis zum Nonett“. Spricht ihn etwas an, beginnt sofort die Recherche: Dann gilt es in Bibliotheken nach Noten zu forsten und die Musik auszuprobieren. So war᾽s auch bei den Werken von Adolphe Blanc. Die Klangsprache des französischen Komponisten traf beim gesamten Ensemble schnell auf Begeisterung: „Das ist reine Spielfreude! Es macht einfach Spaß diese Werke zu zelebrieren!“ Umso größer ist jetzt die Freude über die Auszeichnung mit dem ECHO Klassik: „Den ECHO zu bekommen ist schon ein Ritterschlag auf beide Schultern. Das ist jetzt natürlich das i-Tüpfelchen auf dem schlagobersten Sahnehäubchen.“ Das fabergé-quintett erhält den ECHO Klassik für die Kammermusikeinspielung des Jahres (Musik 19. Jh.)/Streicher Faberge Quintet: Adolphe Blanc: String Quintets No. 3, 4 & 7 by Faberge Quintet (2014) Audio CD Es-Dur dogma chamber orchestra Auf Entdeckerpfaden Extra für crescendo trommelte das dogma chamber orchestra alle seine Musiker zusammen und beantwortete die Frage “Wie haben Sie reagiert, als Sie vom ECHO Klassik-Gewinn erfahren haben?” für uns in einem Foto! Die ausgezeichnete CD ist die dritte Einspielung des jungen Orchesters. Mikhail Gurewitsch, der Leiter des dogma chamber orchestra freut sich über die ECHO-gekrönte Auszeichnung – weil sie dem unkonventionellen Weg, den das Orchester geht, recht gibt. Gemeinsam mit seinen Orchesterkollegen will Gurewitsch das klassische Musikleben verändern: Sein Orchester besteht aus durchweg jungen Musikern, sie spielen konsequent im Stehen und moderieren ihre Konzerte, bieten hinterher Raum für Fragen, Diskussionen und Gespräche mit dem Publikum. Der ECHO Klassik 2014 ist immerhin schon der zweite ECHO Klassik für das Kammerorchester. Doch während es den ersten Preis 2012 für die Surroundeinspielung es Jahres gab, stehen diesmal eher die künstlerischen Aspekte im Mittelpunkt – und für das Orchester war die Schostakowitsch-Aufnahme eine echte Entdeckungsreise: “Ich wurde sehr früh mit der Musik von Dimitri Schostakowitsch konfrontiert. Und wie das Leben so spielt, waren die Klavierpräludien die ersten Stücke des Komponisten, die ich als Kind spielen sollte (erstmal im Original am Klavier). Kurze Zeit später wurde die Bearbeitung dieser Miniaturen für Violine und Klavier zu meinem Standartrepertoire als Geiger . Und als ich erfuhr, dass eine Version für Streichorchester von Grigory Korchmar existiert, war ich sehr gespannt. Wir hatten eigentlich ein anderes Programm für die CD vorgesehen, aber als wir die Noten bekommen und die Stücke durchgespielt haben, war sofort klar, dass wir es unbedingt aufnehmen wollen.Dazu ist es auch eine Erstaufnahme! Das Besondere an unseren Präludien ist, dass es weniger eine Art Bearbeitung ist, bei der man die Stimmen einfach verteilt damit man’s in einer passenden Besetzung spielen kann. Ganz im Gegenteil: es klingt wie etwas Neues, die Stücke erscheinen in einem völlig neuen Gewand. Das ist fast schon ein Entdeckergefühl, das man dabei hat! Als hätte man ein neues Werk von Schostakowitsch gefunden… Bei der Aufnahmesession, die entsprechend intensiv und kräfteraubend war, ist mir besonders der Moment in Erinnerung geblieben, als die Aufnahme zu Ende gehen sollte. Eigentlich erschöpft, wollten wir gar nicht weg von der Bühne des Sendesaals Bremen, wo die Aufnahme stattfand. Der Moment war sehr emotional – das Gefühl vielleicht etwas besonderes geschaffen zu haben war so ergreifend! Wir sind sehr froh, dass diese Aufnahme die Anerkennung gefunden hat und dass damit noch mehr Aufmerksamkeit auf diese fantastische Musik gelenkt wird.” Das dogma chamber orchestra erhält den ECHO Klassik für die Sinfonische Einspielung des Jahres (20./21. Jh.) Mikhail Gurewitsch: 24 Preludes Op.34/Streichquartett 8 Op.110 Musikproduktion Dabringhaus und Grimm (Naxos Deutschland Musik & Video Vertriebs-) Miriam Feuersinger Himmlische Klänge Für uns die größte Entdeckung in der diesjährigen Preisträger-Liste: Miriam Feuersingers Album mit Kantaten des Barock-Komponisten Christoph Graupner. Die Sopranistin hat eine dermaßen klare und berückende Stimme und eine feinsinnige Art zu musizieren, dass einem das Herz ganz voll davon wird. Noch dazu sind die Stücke, die sie auf „Himmlische Stunden, selige Zeiten“ aufgenommen hat, schon lange entdeckungs-überfällig. Ob man mit dem Namen „Feuersinger“ für eine Gesangs-Karriere prädestiniert ist? Die Sopranistin erklärt: „Der Name kommt ja eigentlich vom Begriff ‚Feuer sengen‘, also Feuer entzünden. Aber auch das finde ich einen schönen Gedanken: Wenn ich bei den Leuten die Begeisterung für diese Musik entfachen kann, dann habe ich es geschafft!“ Miriam Feuersinger erhält den ECHO Klassik für die Solistische Einspielung des Jahres (Gesang/Arien und Rezitale) Miriam Feuersinger: Graupner: Himmlische Stunden, selige Zeiten Christophorus Ensemble Blumina Tierisches Vergnügen Extra für crescendo hat das Ensemble Blumina sein Logo im ECHO-Gewand aufgemalt. Die Erklärung dazu: „Die Idee kam uns beim Bummel durch den Tierpark Dublin. Das Sternzeichen des Fagottisten Mathias Baier ist Löwe (und er hat rote Haare), wer das Zebra ist, sehen Sie leicht am Klaviertasten-Muster (Elisaveta Blumina), und ein Oboist (Kalev Kuljus) ist immer irgendwie ein (Paradies-)Vogel …“ Den ECHO gibt᾽s für ein Album mit Trios von Previn, Françaix und Poulenc. Glückwunsch! Interview mit Mathias Baier, Fagottist des Ensemble Blumina Was ist so besonders reizvoll an der Besetzung des Ensemble Blumina? Vor allem im Vergleich zum „klassischen“ Klaviertrio… Das klassische Klaviertrio hat einen entscheidenden Vorteil: Die grosse klangliche Homogenität der beiden Streichinstrumente. Die Frage, die sich zwangsläufig durch unsere eben doch andere Trio-Besetzung stellt: Inwiefern ist deren Vorteil vielleicht auch ein Nachteil? Die Antwort: Die für den Hörer deutlicher differierenden Farben der Oboe und des Fagottes machen polyphones Geschehen leichter nachvollziehbar. Und die jeweils spezifischen Charakteristika der beiden Blasinstrumente – ohne jetzt irgendwelchen Klischees zu verfallen – ergeben insgesamt eine breitere farbliche Palette. (Die hochverehrten Kollegen Streicher mögen mir diese Bemerkung bitte verzeihen!) Wonach richten Sie sich in Ihrer Programm-/Werkauswahl? Und wer hat das letzte Wort? Das Wort “Auswahl” ist zwar prinzipiell richtig, noch besser wäre aber: “Suche”! Die (Original-) Literatur für unser Ensemble ist nicht besonders umfangreich, jedenfalls nicht an Werken dieser Qualität wie sie auf unserer CD vereint sind. Nicht nur deshalb ergänzen wir unsere Programme immer gerne durch Duo- oder sogar Solostücke. Dann wird es plötzlich möglich, ganz spezielle Themengebiete zu “beleuchten”. Das kann dann z.B. sein: “Werke französischer Komponisten” oder “jüdische/verfemte Musik”. Wahrscheinlich wissen Sie ja: Zu letzterem Thema gibt es ein grosses Engagement unserer Pianistin Elisaveta Blumina, die gerade gemeinsam mit vielen grossartigen Kollegen das Kammermusikwerk von Mieczyslaw Weinberg bei cpo einspielt. Und bei unserer Suche nach Literatur dürfen Sie bitte auch nicht vergessen, dass wir den ECHO in der Kategorie Musik des 20./21.Jahrhunderts bekommen haben. Vielleicht spiegelt sich das in der Werkauswahl unserer CD noch nicht so wieder, aber wir bekommen tatsächlich beinah täglich Post von Komponisten. Und einige Uraufführungen haben wir auch schon gespielt, wie gerade Anfang September beim Russischen Kammermusikfest Hamburg. “Das letzte Wort” bei der Programm-Gestaltung? In unserer kleinen Dreipersonen-Demokratie gibt es immer irgendeine Mehrheit, und da dürfen jetzt mal die Streichquartett-Kollegen neidisch sein! Was bedeutet Ihnen der ECHO Klassik-Preis? Zuerst darf ich sagen, dass wir wirklich sehr überrascht waren! Wir arbeiten in einem Genre, dass durch – mit Verlaub – viel Mittelmässigkeit, durch “Muggen”-Mentalität usw. sich in den letzten Jahrzehnten systematisch selbst seinen Ruf verdorben hat. Aber gleichzeitig schätzen wir ausserordentlich die wirklich ernsthafte Arbeit vieler Kollegen, die (so wie wir) mit viel Mühe und Fleiss versuchen, vielleicht etwas besser – nein gründlicher, authentischer, ehrlicher, gewissenhafter – zu sein als der “Mainstream”. Es gibt eine alte Regel: 10% besser = 100% mehr Arbeit. Das erfordert dann viel Enthusiasmus, zumal wenn man vermuten muss, dass den Unterschied dann wahrscheinlich nur 1% des Publikums zu würdigen weiss. Oder bin ich zu streng? Ja, wahrscheinlich: Der ECHO für unser Ensemble straft mich Lügen – und darüber bin ich sehr froh! Und ich sehe deshalb in ihm nicht nur eine Bestätigung für unsere Arbeit, sondern auch eine Ermutigung für alle anderen Ensembles, die so denken und arbeiten wie wir, derer gibt es Gott sei Dank viele! Gibt es schon Pläne für das nächste Projekt? Ja natürlich, vielleicht eine neue CD. Auf jeden Fall aber die Ausweitung unserer Konzert-Tätigkeit auch international. Gespräche mit Agenturen in Spanien und in Israel laufen schon sehr erfolgversprechend, auch gibt es Pläne für Südafrika, Japan und die USA. Und einen Plan der über all dem steht: Die ständige Suche nach guten – und wie ich oben schon sagte: Neuen Stücken für unsere Besetzung. Wenn wir als Ensemble einen ECHO vergeben dürften, dann an…für…? Mein ganz persönlicher Wunsch: Niemand hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr in den Dienst der Bläserkammermusik gestellt als mein hochverehrter Freund und Mentor Klaus Rainer Schöll. Ein ECHO für sein Lebenswerk würde dies würdigen, seine Arbeit beim Schott-Verlag und die seiner vielen enthusiastisch mitkämpfenden Bläser-Kollegen! Das Ensemble Blumina erhält den ECHO Klassik für die Kammermusikeinspielung des Jahres (Musik 20./21. Jh.)/gem. Ensemble Ensemble Blumina: Francaix / Previn / Poulenc: Trios für Oboe, Fagott und Klavier Musikproduktion Dabringhaus und Grimm (Naxos Deutschland Musik & Video Vertriebs-) Stephan Schardt Auf zwei Bögen Den ECHO Klassik bekommt er für seine Ersteinspielung der 1715 entstandenen „Frankfurter Sonaten“ von Georg Philipp Telemann, der Violinist Stephan Schardt ist jedoch auch auf der modernen Violine ein gefragter Solist, Lehrer und Kammermusiker. So war er nicht nur Konzertmeister des Ensembles Musica Antiqua, er unterrichtete bereits moderne Violine an der Kölner Musikhochschule und Barockvioline an der Folkwang Hochschule in Essen. Das Umstellen zwischen den beiden Instrumenten funktioniert dabei nur projektweise – es benötigt auch für ihn noch immer Zeit sich an die Eigenheiten der jeweiligen Violine und ihre Spielweise zu gewöhnen: „man schafft es natürlich nicht immer jeden Tag beide fit zu halten, aber die Projekte werden so gelegt, dass genügend Übezeit vorhanden ist.“ Vor allem die Bogenhaltung macht einen großen Unterschied. Stephan Schardt besitzt fünf verschiedene Bögen – in barocker und moderner Bauweise, die er regelmäßig spielt. Dabei kann er im Geigenkasten natürlich immer nur zwei unterbringen, das erfordert eine gute Planung. Auch im Lagenspiel und Vibratoeinsatz der linken Hand und der Artikulation zeigen sich Unterschiede. Auf beiden Geigen spielt Stephan Schardt Darmsaiten, die seiner modernen Violine sind jedoch noch einmal mit Stahl umsponnen. Alleine dieser haptische Aspekt erfordert schon eine Umgewöhnung. Doch das Spiel auf den beiden verschiedenen Instrumenten „befruchtet“ sich gegenseitig „sowohl technisch als auch musikalisch“. Der größte Unterschied bleibt natürlich die Musik. Zuletzt hat Schardt Stamitz’ Violinsonaten eingespielt. Was es ihm bedeutet einen ECHO zu bekommen? Die erste spontane spaßige Antwort: „In meinem Alter? Das wurde aber auch mal Zeit“, aber eigentlich freut es ihn am meisten, dass eine Jury „mit ihren vielen verschiedenen Geschmäckern“, die Erstaufnahme von Werken „die unter Geigern bekannt sein sollten, oder nun hoffentlich bekannter werden“, zu schätzen weiß und dass der Preis im Idealfall dazu beiträgt, diese wunderbare Musik einem noch größeren Publikum zu präsentieren. Stephan Schardt bekommt den ECHO Klassik für die Solistische Einspielung des Jahres (17./18. Jh.)/Violine Stephan Schardt: Violin Sonaten Frankfurt 1715 Musikproduktion Dabringhaus und Grimm (Naxos Deutschland Musik & Video Vertriebs-) Trio Imàge Warum man Kagel hören muss Das Trio Imàge erklärt, warum ihre ECHO-prämierte Debüt-CD mit Werken von Mauricio Kagel so spannend ist: “Die Klaviertrios von Mauricio Kagel: extrem spannende und emotionale Musik, die abgrundtief und manchmal übermütig provokant die menschliche Seelenlandschaft durchdringt. Das erste Trio begleitet uns schon seit vielen Jahren. Durchaus klassisch 3-sätzig komponiert entführt es kurzweilig sowohl uns Interpreten als auch die Zuhörer in die dunkelsten Ecken menschlicher Emotionalität – tatsächlich basiert das Werk auf Erzählungen über den Teufel. Auch das zweite Trio, das Kagel als er nach der Fertigstellung des ersten Satzes am 11.9.2001 von den Vorkommnissen in New York erfuhr, abbrach und das somit einsätzig blieb, fasziniert und fesselt uns jedes mal aufs neue. Von dunkler Vorahnung erfüllt, hat es absolut apokalyptischen Charakter. Die emotionale Dichte und die Identifikation mit Kagels Musiksprache ließ für uns keine Zweifel aufkommen, diese Werke für unsere Debüt-CD auszuwählen. Werke, die uns sehr am Herzen liegen und die ein tiefemotionales Hörerlebnis garantieren.” Das Trio Imàge bekommt einen ECHO Klassik für die Welt-Ersteinspielung des Jahres Trio Image: Klaviertrios I-III Cavi-Music (Harmonia Mundi) Außerdem ausgezeichnet: Das Ensemble NeoBarock bekommt einen ECHO Klassik für die Kammermusikeinspielung des Jahres (Musik bis inkl. 17./18. Jh.)/gem. Ensemble Robert Schneider: Musik der Einsamkeit Ambitus (Klassik Center Kassel) Die Hannoversche Hofkapelle bekommt einen ECHO Klassik für die Sinfonische Einspielung des Jahres (bis inkl. 18. Jh.) Hannoversche Hofkapelle: Händel: Wassermusik/Concerto Grosso Op.6,11 Musikproduktion Dabringhaus und Grimm (Naxos Deutschland Musik & Video Vertriebs-)

Georg Friedrich HĂ€ndel
(1685 – 1759)

Georg Friedrich HĂ€ndel (23. Februarjul. 1685 - 14. April 1759) war ein deutsch-britischer Komponist in der Epoche des Barocks. Sein Hauptwerk umfasst 42 Opern und 25 Oratorien – darunter den Messias mit dem bekannten Chorwerk „Halleluja“ – sowie zahlreiche Werke fĂŒr Orchester und Kammermusik. HĂ€ndel, dessen kĂŒnstlerisches Schaffen sich auf alle musikalischen Genres seiner Zeit erstreckte, war gleichzeitig als Opernunternehmer tĂ€tig. Er gilt als einer der fruchtbarsten und einflussreichsten Musiker ĂŒberhaupt. HĂ€ndels Werke gehören seit mehr als 250 Jahren ununterbrochen zum AuffĂŒhrungsrepertoire, lĂ€nger als die jedes anderen Komponisten.



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