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Klassische Musik und Oper von Classissima

Georg Friedrich HĂ€ndel

Freitag 25. April 2014


getClassical (Ilona Oltuski) [de]

22. April

Gary Graffman – faszinierend bleiben durch neue Entdeckungen

getClassical (Ilona Oltuski) [de] Als der geschĂ€tzte Pianist Radu Lupo krank wurde und ein umgehender Ersatz fĂŒr sein ‘People’s Symphony’ Konzert bei der ‘Town Hall’ am 12. Januar 2014 gefunden werden musste, entschied sich der Moderator der Reihe Frank Solomon anstelle des großen Maestros fĂŒr Kuok-Wai Lio, einen jungen Pianisten, der dem New Yorker Publikum bisher noch weitgehend unbekannt ist. Lio verfĂŒgte nicht nur ĂŒber eine eindrucksvolle, stilistische Herangehensweise, was das romantische Repertoire betrifft, die Lupos eigenem, klaren Pianismus Ă€hnlich ist, sondern auch ĂŒber Empfehlungen von den Moderatoren seiner vorhergehenden Klavierabende; Lios Auftritte, besonders seine Schubert und Schumann Interpretationen, hatten ihm viel Ansehen verschafft. Die Tatsache, dass Lio ein talentierter SchĂŒler von Gary Graffman ist, war sicherlich eine weitere lobenswerte Empfehlung, eine von der Sorte, die den Weg zur pianistischen AuftrittsbĂŒhne ebnet. Schließlich kann Graffman, der mit seinem gutem Namen als Pianist und PĂ€dagoge, mehr als zwei Jahrzehnten der Leiter des ‘Curtis Institute of Music’, und unter dessen Anleitung einige der heutigen internationalen pianistischen Superstars wie Lang Lang, Yuja Wang, Ignat Solzhenitsyn und Haochen Zhang hervorgekommen sind, sehr wohl seine Magie einstreuen, wenn es darum geht, noch einen weiteren unentdeckten Pianisten zum berĂŒhmt werden zu verhelfen. Foto: Gary Graffman Ilona Oltuski-GetClassical Lios Konzert, obwohl es ein bisschen schĂŒchtern begann, kam zunehmend in Schwung, wie er mit seinen gefĂŒhlvollen und eloquenten Interpretationen von Franz Schuberts Four Impromptus, D.935 und Robert Schumanns DavidsbĂŒndler-TĂ€nze, Op.6. in der historischen ‘Town Hall’ auf der BĂŒhne und beim Publikum die Aufmerksamkeit gewann. Wie er gewinnend zugab, musste er “in große Fußstapfen treten,” als er fĂŒr den sehr bewunderten Radu Lupo – den herausragenden Poeten an der Klaviatur, den er mit Ehrerbietung als einen ”Klaviergott” beschrieb, kurzfristig einsprang. “Ich wuchs mit seinen Aufnahmen auf, hörte ihnen zu und mochte sie sehr zu schĂ€tzen,” sagt er und obwohl Lio nicht, wie er erlĂ€utert, ausreichend Zeit hatte, sich mental vorzubereiten – es wurde ihm nur zwei Tage vor dem Konzert angetragen – unterbreitete er: “Irgendwie muss man halt immer bereit sein.” Foto : Kuok-Wai Lio Ilona Oltuski-GetClassical Seinen zweimal im Monat stattfindenen Unterricht mit Graffman beschreibt Lio im Vergleich mit seinen vorhergehenden Erfahrungen in seiner Heimatstadt Hongkong, als eine ganz andersartige, aber ausnehmend fruchtbare Lernerfahrung. “WĂ€hrend in Hongkong sich alles um Disziplin drehte, ging es nun bei Curtis alles um innere Freiheit,” sagt er und beschreibt Graffman als “einen der unterstĂŒtzendsten und ermunterndsten Lehrer, die man sich vorstellen kann,” und er unterstreicht damit die Tatsache, dass Graffman keineswegs unterstellt, dass seine eigenen Wege die einzige Wahrheit darstellen, die in Betracht gezogen werden sollten. Vielmehr flĂ¶ĂŸt Graffman seinen Studenten Selbstvertrauen ein und gibt ihnen so das Werkzeug, ihre eigene Stimme zu entwickeln wie auch die Courage, ihrem eigenen Urteil zu vertrauen. Diese Herangehensweise wird untertĂŒtzt, indem die Studenten einer Vielzahl von Lehrern und verschiedenen Methoden und Stilen vorgestellt werden. Dennoch ist es manchmal schwer, ein Gleichgewicht zu finden, meint Lio, als er sich seines letzten Jahres bei Curtis erinnert, als er exzessiv arbeitete und Graffman ihn davor bewahrte, sich zu sehr anzustrengen, indem dieser sagte: “Du must nicht so spielen, als ob du heute abend auftreten wĂŒrdest.” Genauso wichtig fĂŒr den Lernprozess ist die Tatsache, dass Graffman selbst ein hervorragender Pianist ist, dessen AutoritĂ€t vom Großartigstem der pianistischen Tradition herrĂŒhrt, was anscheinend mit seiner Rolle verflochten ist. Als ehemaliger Student bei Curtis, zunĂ€chst von Isabelle Vengerova [die MitbegrĂŒnderin von Curtis] und spĂ€ter von Vladimir Horowitz als seinen Lehrern, hat Graffman sich mit einer Schar von Musiker angefreundet, und erkundete so aus erster Hand die Traditionen des Goldenen Zeitalters des Klaviers und besuchte Konzerte von solchen GrĂ¶ĂŸen wie Hofmann, Rachmaninoff und Kapell. Was in Lios Bescheibung von Graffman heraussticht, ist seine joy de vivre; sein Enthusiasmus fĂŒr alles Neue und Unterschiedliche und seine erbauliche GemĂŒtsart und sein Optimismus: Dies sind wesentliche QualitĂ€ten, die ein KĂŒnstler und Mentor haben sollte,” meint Lio “er personifiziert die Grenzenlosigkeit des Geistes, und wenn man sich von Ihm inspirieren lĂ€ĂŸt, fĂŒhlt man sich so, als ob es nichts gĂ€be, was man nicht machen könnte” – in den HĂ€nden großen Talents, die es zu befĂ€higen gilt, keine kleine Sache. Als Gary Graffman und seine Ehefrau Naomi hinter die Kulissen traten, um Lio nach dem Konzert zu sehen, wurde deutlich, wie sehr die Graffmans sich mit dem Leben von Garys Studenten ĂŒber deren Karriere hinaus verbunden fĂŒhlen. Graffman bleibt fortwĂ€hrend mit all seinen Studenten, in der Vergangenheit wie auch der Gegenwart, in Kontakt, unterrrichtet und hĂ€lt sich ĂŒber den Ablauf eines jeden Pianisten auf dem Laufenden; er besucht regelmĂ€ssig viele ihrer Konzerte. Außergewöhnlich ist die LoyalitĂ€t, die einige seiner Star-SchĂŒler aufrecht erhalten, was seine enge Bindung zu Lang Lang miteinschließt, der, genervt von der Tatsache, dass sein großer Mentor nicht Schritt mit der letzten Technologie hĂ€lt, ihn vor Kurzem mit dem neuesten Handy Model versorgt hat. “Sie rufen alle an, schreiben eine SMS oder eine E-mail,” sagt er. Der elegant kuratierte Wohnsitz der Familie Graffman an der 57. Strasse beherbergt eine ausgedehnte Kunstsammlung, bestĂŒckt mit einem bunten Gemisch von asiatischen Artefakten verschiedener regionaler und historischer Herkunft und ist komplett ausgestattet mit einer Bar, ein idealer Ort, GĂ€ste zu bewirten. ‘Seine Musiker’ kommen oft vorbei, wie auch nach New York kommende AuftrittskĂŒnstler, einschließlich KĂŒnstler wie Evgeny Kissin, die nach einem Konzertauftritt in der Carnegie Hall gegenĂŒber auf der anderen Strassenseite auch bei Graffmans zu Gast sind. Ganz ein Chameur, erzĂ€hlt Graffman, wĂ€hrend er hinter der Bar uns einen Drink mixt, einige Anekdoten ĂŒber seine Familienherkunft, sein pianistisches VermĂ€chtnis und seine weltweiten Reise- und Unterrichtserfahrungen, die ihn bei Laune hielten, selbst nachdem seine Auftrittskarriere ein abruptes Ende gefunden hatte. Ähnlich wie bei seinem Kollegen, dem 1964 erkrankten, geachteten Pianisten Leon Fleisher, erlitt Graffman im Jahre 1979 ein Leiden an den Streckmuskeln seiner rechten Hand, an der die Ring- und die beiden kleinen Finger schwĂ€cher wurden und sich mit unkontrollierbaren KrĂ€mpfen krĂŒmmten, was eine Fortsetzung seiner pianistischen Karriere, die auf einem zweihĂ€ndigen Repertoire basiert, unmöglich machte. Dieser Zustand, der auch allgemein als fokale Dystonie bekannt ist, fĂŒhrte im Leben des Pianisten zu einer tiefeinschneidenen VerĂ€nderung, als klar wurde, dass ein bloßes VerĂ€ndern des Fingersatzes innerhalb der Partituren nicht ausreichen wĂŒrde und Graffman sein Leben entsprechend anpassen musste. Ein großes Maß an Courage, Vorausblick, Bescheidenheit und seine FĂ€higkeit, das Positive in den Dingen zu sehen, hervorbrachte kamen ihm in dieser schweren Zeit zu Hilfe: “Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als handelte es sich um das Ende der Welt, aber zum Scluss stellte es sich als o.k. heraus,” meint er. “Sonst wĂ€re ich nie der Leiter von Curtis geworden,” fĂŒgt er hinzu, und mit Sicherheit hĂ€tte er nicht eines der grĂ¶ĂŸten VermĂ€chtnisse als Mentor fĂŒr die nĂ€chste Generation von Pianisten begrĂŒnden können, von denen ihn viele nicht nur dafĂŒr bewundern, die SchĂ€tze der großen pianistischen Tradition weiterzugeben, sondern ihre Sinne fĂŒr die Bedeutung von Kultur in unserer Zivilisation im Allgemeinen zu öffnen. Yuja Wang war davon beindruckt, wieviel sie von Graffmans großem Wissen ĂŒber ihre eigene chinesische Kultur fĂŒr sich aufnehmen konnte, als sie als junges MĂ€dchen zu Curtis kam. (Siehe meinen Artikel ĂŒber Yuja Wang ) In seiner Autobiografie Journey of a Thousand Miles: My Story beschreibt Lang Lang sehr detailliert, wie sich Graffmans praktische Anleitung als Mentor immer darauf richtete, die ganze Person anzusprechen und zu inspirieren, nicht nur den Pianisten in ihm selbst; eine Erfahrung, die er wahrhaftig schĂ€tzte und ihn fortan begleitete. Graffman förderte besonders IndividualitĂ€t bei seinen Studenten und vermied so die Fallstricke von Eintönigkeit im Klang und Manierismus, was das Ergebnis rigider Unterrichtsformen ist. In seinen Augen spielt jeder seiner Studenten auf einzigartige Weise, mit einem spezifischen Ausdruck, der als dessen eigener erkennbar ist. Graffmans eigene Faszination mit asiatischer Kultur mag – wie er es nennt – ein angeborenes Interesse sein. “Wenn ich in ein Museum ging, blieb ich mich immer in einer der indischen, japanischen oder chinesischen Gallerien hĂ€ngen,” erinnert er sich, “Ich ging buchstĂ€blich dort verloren – man musste nach mir Ausschau halten. SpĂ€ter, als wir in diese Wohnung zogen, begann mein guter Freund, der Pianist Julius Katchen, der in Paris lebte und mit einer in Vietnam geborenen französischen Frau verheiratet war, wĂ€hrend seiner Konzerttourneen asiatische Kunst zu sammeln und setzte mich darauf an. Zu der Zeit gab es nur drei wichtige KunstgeschĂ€fte, die mit asiatischer Kunst handelten, es war nicht teuer und ich kaufte und kaufte. Nachdem mein Handproblem angefangen hatte, brachte ich mich mehr ein und wollte mehr darĂŒber lernen, indem ich Kurse an der ‘Columbia University’ nahm. Im Jahre 1981 nahm ich zum ersten Mal an einer Gruppenexkursion in den Fernen Osten teil. Zu der Zeit hatten die Chinesen damit angefangen, solche Gruppen willkommen zu heißen und so reisten wir in die entferntesten Winkel der Hunan und Szechuan Provinzen. Als ein guter Freund von mir Leiter von Sothebys in Hongkong wurde, kam ich zu Besuch, buchte Touren mit Experten und konnte so die besten StĂŒcke sehen, nicht nur das, was zur Ansicht in den Fenstern steht,” sagt Graffman, der nichts von dem großen GespĂŒr verloren hat, einen wĂŒrdigen Fund gemacht und etwas Besonderes entdeckt zu haben, der es wert ist, seine Zeit, sein Interesse und Engagement darauf zu verwenden. Um sein pianistisches VermĂ€chtnis zu wĂŒrdigen, hat Sony die gesamten Aufnahmen von Gary Graffman im Oktober 2013 aus Anlass seines 85. Geburtstages veröffentlicht. Graffmans Auto-Biographie : Ich sollte eigentlich lieber ĂŒben, ist im Handel zu erhalten. siehe hier Ilona Oltuski – GetClassical

Musica Classica

19. April

NachtrÀge

Heute möchte ich wieder mal die Gelegenheit nutzen, ein paar NachtrĂ€ge zu Ă€lteren BeitrĂ€gen zu liefern – ab und an ist das einfach mal notwendig (siehe zum Beispiel hier), weil zwischenzeitlich Neuerscheinungen oder Wiederveröffentlichungen interessante ErgĂ€nzungen zu bereits beschriebenen und empfohlenen Aufnahmen bieten. Passend zur Karwoche und der untrennbar damit verbundenen Hochsaison fĂŒr Passionsmusiken ist kĂŒrzlich eine neue Einspielung der selten zu hörenden Markus-Passion (BWV 247) von Johann Sebastian Bach beim Label RONDEAU erschienen. Zum wirklich spannenden Rekonstruktionsprozess dieser lediglich in der Theorie existierenden Komposition des berĂŒhmten Leipziger Thomaskantors hatte ich ja bereits im vergangenen Jahr eine ganze Reihe von BeitrĂ€gen geschrieben, so dass ich diese Ende MĂ€rz 2013 in St. Anna in Twistringen entstandene neueste ErgĂ€nzung zu diesem Thema nicht unerwĂ€hnt lassen wollte. Es handelt sich um eine Aufnahme der Rekonstruktionsversion, die der britische Musikwissenschaftler Simon Heighes im Jahr 1995 vorgenommen hat und die sich – wie viele weitere Rekonstruktionen dieser geheimnisvollen Passion – zunĂ€chst auf die Erkenntnisse des Musikwissenschaftlers Diethard Hellmann aus dem Jahr 1964 stĂŒtzt. Dieser hatte eine Reihe von möglichen musikalischen Vorlagen identifiziert, die Bach benutzt haben könnte, um im fĂŒr ihn recht hĂ€ufig praktizierten sogenannten „Parodieverfahren“ aus Arien weltlicher Gelegenheitskantaten (meist Trauer- oder GlĂŒckwunschkantaten fĂŒr fĂŒrstliche Auftraggeber) dauerhaft verwendbare GesangsstĂŒcke fĂŒr geistliche Werke zu gewinnen (sein Weihnachtsoratorium dĂŒrfte hierfĂŒr wohl das bekannteste Beispiel sein!). Entscheidender Knackpunkt fĂŒr sĂ€mtliche Rekonstruktionsversuche der verloren gegangenen Partitur der Markus-Passion ist allerdings das vollstĂ€ndige Fehlen der Evangelisten-Rezitative, in denen die biblische Passionsgeschichte vorgetragen wird. Wer sich z. B. die MatthĂ€us-Passion zum Vergleich ins GedĂ€chtnis ruft, weiß, dass damit ein nicht unerheblicher Teil der gesamten Passionsmusik fehlt, zumal die Markus-Passion bei Weitem nicht so viele Arien enthĂ€lt, wie die erwĂ€hnte MatthĂ€us-Passion – dies lĂ€sst sich aus dem erhalten gebliebenen Textbuch ersehen. WĂ€hrend viele seiner Kollegen hier ganz unterschiedliche Lösungen fĂŒr dieses Problem gefunden haben (bis hin zur Neukomposition der fehlenden Rezitative im Stil des 20. Jahrhunderts!), wĂ€hlte Simon Heighes einen ziemlich naheliegenden Ansatz – er verwendete die Evangelisten-Rezitative aus der um das Jahr 1717 entstandenen Markus-Passion des in Hamburg tĂ€tigen Bach-Zeitgenossen Reinhard Keiser (1674-1739), was insofern kein Problem darstellt, da hier wie da der entsprechende Text aus der Lutherbibel (Markus-Evangelium, Kapitel 14 und 15) wörtlich ĂŒbernommen wird. Der Clou an gerade dieser Passionsmusik ist jedoch, dass sie Bach nicht nur bekannt war (sie existiert in einer eigenhĂ€ndig angefertigten Abschrift Bachs), sondern er dieses Werk nachweislich auch in Leipzig zur AuffĂŒhrung gebracht hat! Somit ist diese Vertonung, die von Bach ja nun offensichtlich sehr geschĂ€tzt wurde, sicherlich „wĂŒrdig“ genug, um ergĂ€nzendes Material fĂŒr die zu rekonstruierende Markus-Passion Bachs zu liefern
 Da die Handlung in der Keiser’schen Markus-Passion leider erst mit dem Gang zum Ölberg beginnt, die Bach’sche hingegen (wie schon die MatthĂ€us-Passion) bereits mit der Salbung in Bethanien und dem letzten Abendmahl, musste Simon Heighes die nun immer noch fehlenden Rezitative notgedrungen selber im Stil Keisers (und irgendwie ja auch Bachs) selber komponieren, was ihm wirklich gut gelungen ist – wenn man es nicht wĂŒsste, wĂŒrde man nicht merken, wann die Original-Musik aus dem 18. Jahrhundert beginnt! Die einzige, bislang erhĂ€ltliche Aufnahme dieser Fassung der Markus-Passion war (und ist) beim Label BRILLIANT erhĂ€ltlich: Eine unter der Leitung von Roy Goodman vermutlich irgendwann Ende der 1990er Jahre (Angaben hierzu gibt es leider keine) entstandene Einspielung, die an sich gar nicht so ĂŒbel ist, wenn sie nicht daran kranken wĂŒrde, dass sĂ€mtliche SĂ€nger (Knabensopran und Altist ersetzen die Damenstimmen) britischer bzw. finnischer Herkunft sind und sich hĂ€ufig hörbar schwer tun mit der deutschen Sprache und damit einhergehend dann auch mit der Vermittlung des gerade vorgetragenen Geschehens. So gesehen ist die nun unter der Leitung von Jörg Breiding erschienene Neueinspielung mit dem Knabenchor Hannover und der Hannoverschen Hofkapelle eine willkommene Alternative (vom gewĂ€hlten Grundtempo her ĂŒbrigens eine Nuance langsamer als die Goodman-Aufnahme): Alle Beteiligten (die Sopran- und Altpartie werden hier von SĂ€ngerinnen ĂŒbernommen) singen wirklich ausgesprochen klangschön und gut verstĂ€ndlich! Hinzu kommt die akustische Komponente: Der Kirchenraum, in dem die Aufnahme entstand, hat einen gewissen Hall, der aber nie so ĂŒbermĂ€ĂŸig ist, dass die TextverstĂ€ndlichkeit darunter leiden wĂŒrde. Im Gegenteil: Ich finde den so festgehaltenen Kirchenraumklang ausgesprochen stimmungsvoll – es entsteht eine kirchlich-feierliche AtmosphĂ€re, die einer Passionsmusik ja durchaus angemessen und mir definitiv lieber ist, als eine allzu trocken und steril wirkende Studioakustik, die klingt, als wĂŒrden alle Musiker und SĂ€nger in einem kleinen Zimmerchen zusammengepfercht beieinander stehen (das ist auch ein Punkt, der mich an der Aufnahme unter Roy Goodman etwas stört)! Alles in allem also eine wirklich gelungene Bereicherung der nach wie vor eher schmalen Markus-Passions-Diskographie! In dem Zusammenhang habe ich zufĂ€llig entdeckt, dass die im Bach-Jahr 2000 erschienene Version der Markus-Passion von Ton Koopman, von der ich im letzten Jahr nicht sicher war, ob sie ĂŒberhaupt noch im Handel erhĂ€ltlich ist, offenbar im Herbst 2013 zum Budget-Preis neu aufgelegt wurde! Mit Sicherheit ohne ausfĂŒhrliches Textheft, was aber bei der gut verstĂ€ndlichen Aussprache aller an dieser Aufnahme Beteiligten auch nicht unbedingt nötig ist, aber dafĂŒr eine wirklich (preis-)gĂŒnstige Gelegenheit, sich auch mit dieser interessanten Version der phantomhaften Markus-Passion Johann Sebastian Bachs vertraut zu machen! In meinem Beitrag ĂŒber den Besuch der konzertanten Kölner AuffĂŒhrung von Leonardo Vincis sensationeller Opera seria Artaserse im Dezember 2012 hatte ich ja bedauert, dass die SĂ€nger leider ohne die nur als Fotos im Programmheft zu bewundernden aufwendigen KostĂŒme aufgetreten waren, die sie zuvor im Rahmen einiger szenischer Vorstellungen in Frankreich getragen hatten. Nun, mittlerweile wurde mein Wunsch, diese auch einmal sehen zu können, dahingehend befriedigt, dass kĂŒrzlich eine Doppel-DVD mit der Aufzeichnung einer dieser szenischen AuffĂŒhrungen erschienen ist: So sehr ich die musikalische Komponente gerade bei einer Oper wie dieser in den Vordergrund stellen wĂŒrde (weshalb die lediglich konzertante AuffĂŒhrung in Köln nun auch alles andere als eine EnttĂ€uschung war!!), so sehr muss ich aber auch sagen, dass das Element der schrill-fantastischen, von Rokoko-OpernkostĂŒmen deutlich inspirierten Gewandungen der reinen SĂ€nger-Riege dem Ganzen noch einmal ein zusĂ€tzliches Element des Faszinierenden, Artifiziellen und Besonderen hinzufĂŒgt und den heutigen Betrachter noch ein wenig mehr in die kunstvolle Welt der Barockoper eintauchen lĂ€sst! So kann man – neben der Faszination des Klangs dieser ĂŒbernatĂŒrlich hohen MĂ€nnerstimmen – als heutiger Zuhörer (und nun eben auch als Zuschauer) jetzt auch anhand der ausladenden, federgeschmĂŒckten Roben und Reifröcke, HĂŒte und PerĂŒcken noch ein wenig mehr von dem großen Erfolg der Barockoper beim damaligen Publikum erahnen und nachvollziehen! Eine ausgesprochen sehens- und natĂŒrlich auch hörenswerte DVD! In diesem Sinne wĂŒnsche ich allen Leserinnen und Lesern schöne Ostertage! Sowohl gestern als auch heute begleitet mich in diesem Jahr ĂŒbrigens wieder einmal Dvoraks wunderbares Stabat Mater durch den Karfreitag und Karsamstag – ich kann von diesem Werk einfach nicht genug bekommen!




Brilliant Classics Blog

11. April

Brilliant Classics: Neuheiten im April 2014 (Zweiter Teil)

Jeden Monat erscheinen bei Brilliant Classics hochkarĂ€tige Neuproduktionen, interessante Wiederveröffentlichungen, Lizenzaufnahmen und enzyklopĂ€dische Sammler-Editionen. Auch dieses Mal informiere ich in meinem Neuheiten-Artikel kurz ĂŒber alle kommenden Neuheiten. SĂ€mtliche in diesem Artikel vorgestellten Titel kommen in Deutschland, Österreich und der Schweiz am 25. April 2014 in den Handel. Eine Auswahl der hier vorgestellten Titel wird im Laufe der folgenden Wochen ausfĂŒhrlich im Blog vorgestellt werden. Anmerkung zur Schreibweise von Albumtiteln, Komponisten und KĂŒnstlern: Aus GrĂŒnden der Einfachheit und Einheitlichkeit orientiere ich mich an der auf dem Cover verwendeten, englischsprachigen Orthografie. Jeroen van Veen: Piano Music Jeroen van Veen Brilliant Classics 9454 (5CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5029365945424 Die vorliegende 5-CD-Box knĂŒpft an die ersten 24 “Minimal PrĂ©ludes” (1999-2003) des Komponisten Jeroen van Veen an und ergĂ€nzt sie um zwei weitere Volumen. DarĂŒber hinaus beinhaltet die Sammlung einige kĂŒrzere StĂŒcke und “Incanto” Nos. 3 & 4, zwei sich bedĂ€chtig entwickelnde Werke, die mit Temposchwankungen experimentieren. Komplettiert wird die Box durch den “NLXL”-Zyklus, der als musikalische Begleitung fĂŒr die gleichnamige Ausstellung des Landschaftsfotografen Karel TomeĂŻ kreiert wurde. Van Veen ist bei dieser Produktion sein eigener Interpret; bei manchen Werken wird er von seiner Frau Sandra am Klavier und von Frank Steijns am Carillon unterstĂŒtzt. ♩♩♩ Wilhelm Friedemann Bach: Sinfonias Kammerorchester C. P. E. Bach Berlin, Hartmut Haenchen Brilliant Classics 94690 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421946900 Hartmut Haenchen und das Kammerorchester C. P. E. Bach waren in den 1990ern maßgeblich an der Neuentdeckung von Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784) beteiligt. Durch einige richtungsweisende Produktionen ebneten sie den Weg fĂŒr eine Neubewertung seines Werkes. Auf der vorliegenden Wiederveröffentlichung sind die Weltersteinspielungen der Sinfonien in D-Dur F. 64, d-moll F. 65 und F-Dur F. 67 zu hören, außerdem die Sinfonien zur Pfingstkantate F. 88, zur Himmelfahrtskantate F. 91 und zur Weihnachtskantate F. 92 sowie die g-Moll-Suite, deren Autorschaft umstritten ist. ♩ Gabriel FaurĂ©: Complete Piano Quartets and Piano Quintets Jacqueline Eymar, Gunther Kehr, Werner Neuhaus, Erich Sichermann, Bernhard Braunholz Brilliant Classics 94859 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948591 Die vorliegende Doppel-CD fasst die Klavierquartette No. 1 in c-Moll op. 15 und No. 2 in g-Moll op. 45 sowie die Klavierquintette No. 1 in d-Moll op. 89 und No. 2 in c-Moll op. 115 von Gabriel FaurĂ© (1845–1924) zusammen. WĂ€hrend die beiden Quartette herausragende Beispiele fĂŒr FaurĂ©s frĂŒhen romantischen Stil sind, voll bezaubernder Melodien und reicher Harmonik, sind die zwei Quintette spĂ€te Meisterwerke, die seinen Stil in einer experimentelleren Tonsprache demonstrieren. Die französische Pianistin Jacqueline Eymar nahm in den 1960er Jahren mit hervorragenden deutschen Kammermusikern diese zeitlosen Interpretationen fĂŒr das Vox-Label auf, die nun wiederveröffentlicht werden. ♩ Carlo Gesualdo: Tenebrae Responsoria Ensemble Arte Musica, Francesco Cera Brilliant Classics 94804 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948041 Die “Tenebrae Responsoria” (1611) wurden fĂŒr die Liturgie der Karwoche komponiert. Carlo Gesualdo (1566–1613) verknĂŒpfte hier epochentypische Gregorianik mit Elementen der Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts und einer bemerkenswert eindringlichen Ausdeutung der Textvorlage, die hier auf Psalmen und ausgewĂ€hlten Versen der Passionsgeschichte basiert. Stilistisch markiert Gesualdos Stil den Übergang von der Renaissance zum FrĂŒhbarock. Der Organist und Cembalist Francesco Cera, einer der fĂŒhrenden Alte-Musik-Interpreten Italiens, hat mit seinem Spezialisten-Ensemble Arte Musica dieses zentrale SpĂ€twerk Gesualdos fĂŒr die vorliegende CD neu aufgenommen. ♩ Luzzasco Luzzaschi: Complete Keyboard Music Matteo Messori Brilliant Classics 94169 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421941691 Die vorliegende CD fasst sĂ€mtliche erhaltenen Werke fĂŒr Tasteninstrumente von Luzzasco Luzzaschi (1545–1607) zusammen: Leider ist nur das zweite seiner drei Ricercare-BĂŒcher ĂŒberliefert, ein Jammer angesichts des ĂŒbersprudelnden Ideenreichtums und der unĂŒbertroffenen VirtuositĂ€t dieser Sammlung. Hörenswert ist beispielsweise die melancholische “Toccata del quarto tuono”, dem einzigen erhaltenen Beispiel Luzzaschis einer freien Kompositionsform. Der Cembalist und Organist Matteo Messori hat die kritische Edition der Notenausgabe, die dieser CD zugrunde liegt, selbst erstellt. FĂŒr die Produktion spielte er auf Nachbauten italienischer Instrumente der Renaissance. ♩ Caspar Joseph Mertz: Guitar Music Vol.1 – Barden-KlĂ€nge Graziano Salvoni Brilliant Classics 94473 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421944739 Auf der vorliegenden Doppel-CD des italienischen Gitarristen Graziano Salvoni sind die ersten elf Teile der “Barden-KlĂ€nge” von Caspar Joseph Mertz (nach anderen Quellen auch Johann Kaspar Mertz, 1806–1856) zu hören. Sie verweisen thematisch und inhaltlich auf die damals populĂ€re Gedichtsammlung “The Works of Ossian” des Schotten James Macpherson. Salvoni verzichtete bewusst auf die Bearbeitungen der Werke anderer (Vol. 12 & 13) und die spĂ€ter willkĂŒrlich hinzugefĂŒgten Volumen 14 & 15. Die “Barden-KlĂ€nge” erweisen sich als hochromantisches Meisterwerk, voll suggestiver Obertöne, die Salvoni auf einer historischen Gitarre des Wiener Instrumentenbauers Johann Anton Stauffer, einem Zeitgenossen Mertz, erklingen lĂ€sst. ♩ Modest Mussorgsky: Songs Sergei Leiferkus, Bariton Semyon Skigin, Klavier Brilliant Classics 94928 (4CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421949284 Ausgerechnet seine eher raren Instrumentalwerke, die “Bilder einer Ausstellung” und “Eine Nacht auf dem kahlen Berge”, begrĂŒnden heute den Ruhm von Modest Mussorgsky (1839–1881). Ein Großteil seines Werkes, vor allem seine Lieder, bleiben außerhalb Russlands weitgehend unbeachtet, dabei sind sie – anders als seine ‘Hits’ – frei von den Nachbearbeitungen anderer. Der russische Bariton Sergei Leiferkus nahm zwischen 1993 und 1996 (fĂŒr Conifer Records) gemeinsam mit dem Pianisten Semyon Skigin sĂ€mtliche Lieder Mussorgskys auf, darunter die drei Zyklen “Ohne Sonne”, “Kinderstube” und “Lieder und TĂ€nze des Todes”. Sie gelten seither als unerreichte Referenz. ♩ Giulio Regondi: Complete Solo Guitar Music Alberto Mesirca Brilliant Classics 94841 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948416 Die vorliegende Doppel-CD von Alberto Mesirca enthĂ€lt das vollstĂ€ndige Werk fĂŒr Gitarre von Giulio Regondi (1823–1872), darunter auch die Weltersteinspielung des erst 2010 von Andreas Stevens entdeckten “Feuille d’album”, außerdem die “Dix Etudes”, das “Nocturne” op. 19, das “Rondo caprice” op. 20, die “Airs variĂ©s” opp. 21 & 22, die “Introduction et caprice” op. 23 sowie weitere, kĂŒrzere StĂŒcke. Regondis Werke erweisen sich als bezaubernde, suggestiv-poetische Musik. Mesirca gehört zu den erfolgreichsten Gitarristen Italiens, der den renommierten ‘Golden Guitar Award’ beim Pittaluga-Wettbewerb in Alessandria bereits dreimal (2007, 2009 und 2013) gewinnen konnte. ♩ Alessandro Scarlatti: Alto Cantatas Gruppo Strumentale di Roma, Giorgio Sasso Gabriella Martellacci, Alt Brilliant Classics 94440 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421944401 Mit 799 erhaltenen weltlichen Kantaten fĂŒr ein oder zwei Singstimmen (und nach eigenen Angaben 117 Opern) nimmt die Vokalmusik einen Ă€ußersten prominenten Teil im Schaffen von Alessandro Scarlatti (1660–1725) ein. Die vorliegende CD prĂ€sentiert die zwei Solokantaten fĂŒr Alt “PerchĂš tacete, regolati concenti?” und “Filen, mio caro bene” gemeinsam mit einigen instrumentalen Sonaten und Konzerten. Die Altistin Gabriella Martellacci , eine der profiliertesten Alte-Musik-SĂ€ngerinnen Italiens, die bereits mit zahlreichen Weltklasse-Ensembles aufgetreten ist, hat die beiden Kantaten mit dem Originalinstrumente-Ensemble Gruppo Strumentale di Roma unter Giorgio Sasso aufgenommen. ♩ Robert Schumann: Lieder Peter Schreier, Tenor Norman Shetler, Klavier Brilliant Classics 94694 (4CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421946948 Die vorliegende 4-CD-Box fasst sĂ€mtliche Robert Schumann -Aufnahmen zusammen, die der große deutsche Tenor Peter Schreier mit dem österreichischen Pianisten Norman Shetler in den 1970er Jahren fĂŒr das DDR-Staatslabel Eterna aufgenommen hat. Neben bekannten Zyklen, wie den zwei Ausgaben des “Liederkreis” op. 24 & op. 39 und der “Dichterliebe” op. 48, beinhaltet die Sammlung die spĂ€ten “Sechs Gedichte von Nikolaus Lenau” op. 90 sowie zahlreiche kleinere Zyklen und einzelne Lieder. Schreiers schlanke, vibratoarme und intonationssichere Stimme und sein sensibles poetisches GespĂŒr bĂŒrgen fĂŒr hervorragende TextverstĂ€ndlichkeit und zeitlose Deutungen. ♩ Pauline Viardot: MĂ©lodies – based on Chopin’s Mazurkas Marina Comparato, Mezzosopran Elisa Triulzi, Klavier Brilliant Classics 94615 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421946153 Die Französin Pauline Viardot (geb. GarcĂ­a, 1821–1910) war eine der vielseitigsten KĂŒnstlerinnen der Romantik: Sie tat sich als ĂŒberragende Mezzosopranistin, Pianistin, Gesangslehrerin und nicht zuletzt Arrangeurin und Komponistin hervor. Die vorliegende CD beinhaltet ihren Lieder-Zyklus “MĂ©lodies”, der auf Motiven aus Chopins Mazurken basiert. Pauline Viardot vertonte darin mit viel RhythmusgefĂŒhl und MusikalitĂ€t Texte von heutzutage unbekannten französischen Dichtern. Die international erfolgreiche italienische Mezzosopranistin Marina Comparato hat, gemeinsam mit der Pianistin Elisa Triulzi, die “MĂ©lodies” und einige andere Lieder Viardots fĂŒr die vorliegende CD aufgenommen. ♩ Giovanni Zamboni: Lute Music Yavor Genov Brilliant Classics 94767 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947679 FĂŒr die vorliegende CD hat der junge bulgarische Gitarrist und Lautenist Yavor Genov sieben der insgesamt elf “Sonate d’intavolatura di leuto” op. 1 von Giovanni Zamboni (* nach 1650 in Rom; † in Pisa) auf einer 14-chörigen Erzlaute eingespielt: Zu hören sind die Sonaten Nos. 1, 3, 5, 8–11 sowie die “Ceccona”. Die meist viersĂ€tzigen Werke weisen hauptsĂ€chlich Kammersonaten-typische TanzsĂ€tze wie Sarabande, Courante und Menuett auf und bestechen durch die exzellente kontrapunktische Kompositionstechnik Zambonis. Außerdem zĂ€hlen sie zu den letzten Werken, die in italienischer Tabulatur (einer bis ins 17. Jahrhundert gebrĂ€uchlichen Notationsart) veröffentlicht wurden.

Crescendo

11. MĂ€rz

Neville Marriner: Der Sir mit viel Humor - Neville Marriner: Der Sir mit viel Humor

Der britische Dirigent Neville Marriner wird 90 Jahre alt. Wir durften ihn treffen und erlebten einen sehr unterhaltsamen Menschen, der im Laufe seiner langen Karriere eigentlich alles erlebte. Sir Neville, die AnfĂ€nge der Academy of St Martin in the Fields sind eine moderne Legende. Tun Sie uns trotzdem den Gefallen und schildern noch einmal die GrĂŒndungstage? 1959, als wir mit der Academy begannen, war die Zeit auf unserer Seite. Die Stereotechnik war jung, die Schallplattenfirmen brauchten neue Einspielungen. Jeder suchte nach frischen KĂŒnstlern. Wir waren 15 Streicher, die sich in einem großen Sinfonieorchester zunehmend unwohl fĂŒhlten. Wir fanden, wir bekĂ€men nicht genĂŒgend Verantwortung und Gelegenheit, unsere eigenen Vorstellungen umzusetzen. Wir hatten eine ganz prĂ€zise, eigene Klangvision. Und dann grĂŒndeten Sie mal eben das bekannteste Kammerorchester der Welt 
 Ganz so einfach war es nicht. Wir haben erst mal viel geredet. Die Musik kam spĂ€ter. Als wir anfingen, in meinem Wohnzimmer zu proben – just for fun – konnte keiner wissen, dass wir uns zu so etwas wie einer Marke entwickeln wĂŒrden. Ich hörte einmal einen Moderator, der kĂŒndigte uns mit den Worten an: „And now the Handel Concerti Grossi by the Academy of you know where, conducted by you know who!“ So etwas kann man nicht planen, das war pures GlĂŒck. Sahen Sie sich in den 1960ern als Ensemble, das die historische AuffĂŒhrungspraxis vorantrieb? Sie wurden ja damals mit dem Concentus Musicus und dem Collegium Aureum bekannt. Nein, wir hatten nie den Anspruch, „historisch korrekt“ zu sein. Auch als die Alte-Musik-Bewegung den Massenmarkt eroberte, habe ich nie daran gedacht, damit zu wetteifern. Ich glaube aus tiefstem Herzen, dass ein Komponist immer den besten Klang hören wollen wĂŒrde, der zurzeit möglich ist. Nehmen Sie etwa Beethoven: In Sachen Klavierbau war er immer am Puls der Zeit. Ich erinnere mich daran, als wir Michael Tippetts Concerto for Orchestra eingespielt haben. Unser Hornist Barry Tuckwell ging zu Michael und beschwerte sich: „Diese Noten da, die sind gar nicht spielbar mit dem Horn.“ Und Michael antwortete: „Ich weiß, Darling! Aber bald werden sie es sein.“ Heute kann man diese Noten tatsĂ€chlich auf jedem modernen Horn spielen. Ich glaube also, man muss nicht auf alten Instrumenten spielen, damit eine Interpretation einem Werk gerecht wird. Wie kamen Sie zu Ihrem fĂŒr damalige Zeiten ungewöhnlichen Repertoire? Oh, Sie meinen, warum haben wir ausgerechnet mit den „EiscremeverkĂ€ufern“ angefangen? Corelli, Locatelli, Manfredini 
 (lacht). Auch das war Zufall. Wir suchten frisches Repertoire. Wir waren schließlich ein junges Orchester. Simon Stratfield hat damals AuffĂŒhrungsfassungen von Alter Musik ediert. Die Werke vieler Barockkomponisten waren ja noch gar nicht gedruckt erhĂ€ltlich. Er hatte Dutzende StĂŒcke von seinerzeit völlig unbekannten italienischen Komponisten in der Schublade. Wir mussten praktisch nur zugreifen. Wie können wir uns die Academy der Anfangstage vorstellen? Vom ersten Tag an waren wir ein rein privat finanziertes Orchester. Bis heute hat die Academy nicht einen einzigen Penny staatlichen Zuschuss erhalten. Das bedeutete, dass wir anfangs auf jeden Auftrag angewiesen waren. Wir waren jung, und die Frauen im Orchester hatten alle kleine Babys – unmöglich, die Kinder stĂ€ndig auf Tournee mitzunehmen. Also haben wir uns vor allem im Aufnahmestudio ausgebreitet. Jede Plattenfirma war uns willkommen. Und wie sind Sie zum Dirigieren gekommen? Eigentlich waren Sie ja Geiger 
 Das Repertoire fĂŒr Streichorchester war irgendwann erschöpft. Wir wollten auch mal was Neues ausprobieren. Da haben wir Mozart aufgenommen. Das war ein großer Schritt fĂŒr uns, denn wir benötigten plötzlich BlĂ€ser. Okay, was kommt nach Mozart? Da guckt Beethoven ja schon um die Ecke. SpĂ€ter sollten wir Brahms und Schubert aufnehmen, irgendwann Tschaikowsky, dann sogar Vaughan Williams. Das Orchester wurde immer grĂ¶ĂŸer. Das ging nicht ohne Dirigenten. Ich hatte bei Pierre Monteux Dirigieren gelernt. Außerdem hatte ich als Orchestermusiker Erfahrungen unter einigen recht qualifizierten Dirigenten gesammelt: Toscanini zum Beispiel oder FurtwĂ€ngler. Es war einfach ein logischer Schritt. Der Soundtrack zu Milos Formans Film Amadeus soll bis heute das erfolgreichste Album der Academy sein. Ja, das war der große Wendepunkt. Bis dahin hatte die Academy finanziell auf wackligen FĂŒĂŸen gestanden. Es gab Konzerte, bei denen wir pro Kopf nur fĂŒnf oder zehn Pfund verdient haben. Ich habe Milos Forman an irgendeinem Flughafen getroffen, und wir haben uns ĂŒber seinen geplanten Amadeus-Film unterhalten. Wir haben die gewĂŒnschte Musik in den Abbey-Road-Studios eingespielt. Der Soundtrack war fertig, bevor ein Millimeter Film gedreht war. Milos hat dann den Film rund um die Musik inszeniert. Amadeus hat uns einer neuen Klientel vorgestellt: den KinogĂ€ngern. Das war zwar kein Publikum, das sich intensiv fĂŒr klassische Musik interessierte, aber Amadeus fanden sie toll. Danach gab es so zwei oder drei Jahre, in denen die Verkaufszahlen fĂŒr Mozarteinspielungen generell durch die Decke schossen. Traumhafte ZustĂ€nde, oder? Naja, jeder wollte von uns nur noch Mozart hören. Ehrlich gesagt, war es zeitweise der blanke Horror! Wir wollten nicht sein wie manche italienische Gruppen, die ihre gesamte Karriere mit Vivaldi bestritten. Und nun waren wir das „Mozart-Orchester“. DafĂŒr hatten wir die Academy nicht gegrĂŒndet. Wir wollten Vielfalt! Wir haben in dieser Zeit erstmals KompositionsauftrĂ€ge vergeben. 
 von denen ein ganz prominenter an Sir William Walton ging, der fĂŒr die Academy ein Streichquartett fĂŒr Orchester umgearbeitet hat. Sie meinen die Sonata for Strings. Nun, wir hofften, Walton wĂŒrde uns ein eigenes StĂŒck schreiben. Dann bekamen wir die Sonata. Übrigens: Ich habe Zweifel daran, dass er das wirklich selbst gemacht hat. Ich habe den schelmischen Verdacht, dass Malcolm Arnold die meiste Arbeit erledigt hat – vermutlich fĂŒr 1000 Pfund und eine Flasche Champagner. Malcolm Arnold kam jedenfalls immer zu den Konzerten, wenn wir das StĂŒck spielten. Warum gibt es eigentlich nur wenige Aufnahmen von Ihnen aus Minnesota und Los Angeles? Schließlich waren Sie dort jahrelang Musikdirektor. Das hatte rein ökonomische GrĂŒnde. In den USA ist die Musikergewerkschaft sehr streng. Da stehen Leute mit der Stoppuhr im Studio und messen, ob du die erlaubte Arbeitszeit um zwei Minuten ĂŒberziehst. Was tun, wenn man spĂ€t dran ist, und man hat gerade den langen Schlusssatz einer großen Sinfonie eingespielt und der Flötist meldet sich und sagt: „Maestro, I fucked up!“? Da ist guter Rat teuer, und zwar meistens fĂŒr die Plattenfirma, weil das Orchester anderntags wiederkommen muss. Dabei hĂ€tte man die Sache in zwei Minuten erledigen können. In England lief das anders? Ich erinnere mich an eine Aufnahmesession in Kingsway Hall, London. Es war furchtbar, nichts klappte! Es wurde auch immer spĂ€ter. Um 19 Uhr legten wir die Instrumente zur Seite und gingen zum Abendessen – ein wunderbares Dinner, es wurde viel gelacht. Gegen halb neun fĂŒhlten wir uns so gut, dass wir es noch einmal versuchen wollten. Um elf Uhr hatten wir dann die perfekte Aufnahme im Kasten. Das wĂ€re in Amerika nicht möglich gewesen. Sind Sie zufrieden mit den vielen Coverfotos, die ĂŒber die Jahre von Ihnen entstanden? Mit den Fotos war das immer so eine Sache. In den 1980ern kamen zum Beispiel diese Fotoleute von der EMI nach Salzburg, wo ich gerade dirigierte. Sie stellten mich vor jede Mozartstatue, die sie finden konnten. Der Höhepunkt war, als sie mich mit einer großen Mozartpuppe aus Zuckermasse fotografieren wollten. Ich habe den Zucker-Mozart spĂ€ter mit ins Flugzeug genommen – was einiges an Überredungskunst beim Sicherheitscheck gekostet hat. Ich prĂ€sentierte die Figur dem Orchester, wir schlugen sie kaputt und aßen sie stĂŒckweise. Auf den Albumfotos der letzten fĂŒnfzehn Jahre sind Sie auffallend hĂ€ufig in einem bunt gestreiften Oberhemd zu sehen. Ein Maskottchen? (Lacht, verschwindet nach nebenan und holt das bunte Hemd.) Sehen Sie, das habe ich mir bei Pierre Monteux abgeschaut. Pierre trug immer ein Oberhemd aus so einer Art „Deckchair-Material“, sehr robust und wunderbar bequem. Ich habe immer nach so einem Hemd gesucht, habe es aber nie gefunden. Irgendwann ist meine Frau auf einen tollen Stoff gestoßen und hat Hemden fĂŒr mich daraus nĂ€hen lassen. Drei habe ich stĂ€ndig in Gebrauch, zwei weitere warten auf mich in London. Die halten ewig! Ich besitze sie teilweise schon seit 30 Jahren. Eins wurde mir sogar mal gestohlen. Bis Ende der 1990er brachte die Academy stĂ€ndig neue Aufnahmen heraus. Ab den 2000ern wurden es schlagartig weniger. Was war da los? DafĂŒr gab es mehrere GrĂŒnde. Der Boom der historischen AuffĂŒhrungspraxis hat viele KĂ€ufer abgezogen, die frĂŒher unsere Alben gekauft hatten. Außerdem sind einige Plattenfirmen vom Markt verschwunden, mit denen wir gearbeitet hatten: Philips verschwand praktisch ĂŒber Nacht, Argo war vorher schon eingestellt worden. Decca und HĂ€nssler ging es zu jener Zeit auch nicht so gut. Außerdem, dessen bin ich mir wohl bewusst: Wir waren einfach nicht mehr so interessant fĂŒr die Labels. Die Academy hat sich aber gerade dadurch noch einmal ganz neu erfunden und ist heute vor allem ein Tourneeorchester – stĂ€ndig unterwegs. Marriner in Zahlen13 Jahre alt war Neville Marriner, als er als Student am Royal College of Music ­aufgenommen wurde. 64 Jahre sind vergangen, seit er seine erste Schallplatte einspielte. ÂŁ 7,70 betrug sein Honorar fĂŒr seine erste Schallplatte. 1961 erschien die erste Schallplatte der Academy of St Martin in the Fields. 479 Aufnahmesessions zĂ€hlt die 1999 erschienene Diskografie der Academy of St Martin in the Fields. 345 davon wurden von Sir Neville Marriner geleitet. 67 weitere Einspielungen realisierte Marriner bis 1999 mit anderen Orchestern, ­darunter 40 mit dem Radiosinfonieorchester Stuttgart. Mit 15 verschiedenen Orchestern hat Marriner Aufnahmen eingespielt. 26 verschiedene Labels haben Einspielungen der Academy of St Martin in the Fields veröffentlicht, Lizenzveröffentlichungen nicht eingerechnet. Mit jeweils 5 verschiedenen Aufnahmen sind dies die Werke, die Marriner am ­hĂ€ufigsten eingespielt hat: FaurĂ©: Pavane, Haydn: Trompetenkonzert Es-Dur, Mozart: Die vier Horn­konzerte, Ravel: Pavane, Telemann: Trompetenkonzert D-Dur. Wie ist sein neues Album? Noch immer studiert der unermĂŒdliche Neville Marriner neue Werke ein. Diesmal sind es drei zauberhafte Tripelkonzerte von Schulhoff, d’Indy und Krenek (Weltersteinspielung), die zeigen, wie melodieprall die Musik des oft geschmĂ€hten Expressionismus sein kann. Pianistin Maria Prinz, die das Projekt ins Leben rief, schwĂ€rmt zurecht von dem noch immer einzigartigen Klang der Academy of St Martin in the Fields. „The 20th Century Concerto Grosso“ Maria Prinz, Karl-Heinz SchĂŒtz, Christoph Koncz, Robert Nagy, Academy of St Martin in the Fields, Sir Neville Marriner (Chandos) Rainer Aschemeier



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28. Februar

Brilliant Classics: Neuheiten im MĂ€rz 2014

Jeden Monat erscheinen bei Brilliant Classics hochkarĂ€tige Neuproduktionen, interessante Wiederveröffentlichungen, Lizenzaufnahmen und enzyklopĂ€dische Sammler-Editionen. Auch dieses Mal informiere ich in meinem Neuheiten-Artikel kurz ĂŒber alle kommenden Neuheiten. SĂ€mtliche in diesem Artikel vorgestellten Titel kommen in Deutschland, Österreich und der Schweiz am 14. MĂ€rz 2014 in den Handel. Eine Auswahl der hier vorgestellten Titel wird im Laufe der folgenden Wochen ausfĂŒhrlich im Blog vorgestellt werden. Anmerkung zur Schreibweise von Albumtiteln, Komponisten und KĂŒnstlern: Aus GrĂŒnden der Einfachheit und Einheitlichkeit orientiere ich mich an der auf dem Cover verwendeten, englischsprachigen Orthografie. Johannes Brahms Edition Daniel Barenboim · Sir John Barbirolli · Philippe Entremont · Isabelle Faust · Rudolf Kempe · Karl Leister · Kurt Masur · Yehudi Menuhin · CĂ©cile Ousset · György Pauk · JĂĄnos Starker · Tokyo Quartet · Emmy Verhey · Jaap van Zweden Brilliant Classics 94860 (58CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948607 Johannes Brahms (1833-1897) ist einer der bedeutendsten europĂ€ischen Komponisten der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts und eine zentrale Figur der deutschen Romantik. Die vorliegende Neuausgabe der Brahms Complete Edition (eine erste Fassung erschien 2008) enthĂ€lt das Gesamtwerk des Hamburger Komponisten auf 58 CDs. Bei der Auswahl der Interpretationen hat man sich prinzipiell fĂŒr Aufnahmen europĂ€ischer Spezialisten entschieden. Die SchlĂŒsselwerke liegen bei dieser Neuauflage grĂ¶ĂŸtenteils in QualitĂ€tseinspielungen internationalen Ranges vor, die sich seit Jahren zurecht in der Brahms-Diskografie bewĂ€hrt haben: die Sinfonien in den hochgelobten Aufnahmen des Netherlands Philharmonic Orchestra unter Jaap van Zweden, die Klavier- und Violinkonzerte mit berĂŒhmten Solisten wie Daniel Barenboim, CĂ©cile Ousset und Yehudi Menuhin, die Kammermusik in Aufnahmen mit Isabelle Faust, dem Nash Ensemble, dem Gutman Trio, dem Brandis Quartett u. a. und “Ein Deutsches Requiem” in der zeitlosen Aufnahme des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin unter Helmut Koch. Die Brahms Complete Edition bietet einen vollstĂ€ndigen, enzyklopĂ€dischen Überblick ĂŒber das Schaffen eines der bedeutendsten deutschen Komponisten anhand von hochklassigen Interpretationen. Quantitativ und qualitativ gibt es keine andere Brahms’sche Werksammlung dieser Art auf dem Markt. ♩♩♩ C.P.E. Bach: Berlin Symphonies Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach Berlin, Hartmut Haenchen Brilliant Classics 94777 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947778 Die “Berliner Sinfonien” von Carl Philipp Emanuel Bach (in Es-Dur Wq. 179, F-Dur Wq. 181, C-Dur Wq. 174, F-Dur Wq. 175 und e-moll Wq. 178) entstanden, wie der Titel schon suggeriert, zu seiner Zeit am Hofe Friedrichs des Großen. Mit den fĂŒr C. P. E. Bach so typischen ĂŒberraschenden Tempi- und Modi-Wendungen brechen sie die barocke Strenge der ehemaligen ‘Sinfonia’ des Opernvor- und Zwischenspiels auf und ebnen den Weg fĂŒr die bald folgende klassische Sinfonie. Die vorliegenden Aufnahmen des auf modernen Instrumenten musizierenden, historisch-informierten Kammerorchester C. P. E. Bach unter Hartmut Haenchen entstanden 1985 fĂŒr das DDR-Label Eterna. ♩ C.P.E. Bach: Complete Organ Music Luca Scandali, Dell’Orto & Lanzini-Orgel der Pfarrkirche Santa Maria Assunta, Vigliano (Italien)) Brilliant Classic 94812 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948126 Die vorliegende Doppel-CD fasst C. P. E. Bachs vollstĂ€ndiges ƒuvre fĂŒr Solo-Orgel zusammen: die sechs Sonaten Wq. 70, die sechs Fugen Wq. 119 und einige ChoralprĂ€ludien. Im Orgelwerk, wie im gesamten ƒuvre Carl Philipp Emanuel Bachs, dominiert der ‘empfindsame Stil’ mit seinen impulsiven, gefĂŒhlsbetonten Elementen, der die kontrapunktische Strenge des Barocks ablöste. Der Interpret dieser Aufnahmen, der italienische Organist Luca Scandali, gewann unter anderem den ersten Preis beim 12. internationalen Paul-Hofhaimer-Orgelwettbewerb in Innsbruck, eine Auszeichnung, die in der 40-jĂ€hrigen Geschichte des Wettbewerbs nur viermal vergeben wurde. ♩ C.P.E. Bach: Chamber Music with Transverse Flute Helianthus Ensemble Brilliant Classics 94884 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948843 Die auf der vorliegenden CD zusammengefassten Quartette fĂŒr Traversflöte, Viola, Cello und Cembalo in a-Moll, D-Dur und G-Dur Wq. 93-95 entstanden in C. P. E. Bachs Todesjahr 1788. Frei von WĂŒnschen eines Auftraggebers und der aktuellen musikalischen Mode konnte er hier seine ureigenen Vorstellungen verwirklichen. ErgĂ€nzt werden die Quartette durch das Duett in e-Moll Wq. 140 (1770) und die frĂŒhe Triosonate in A-Dur Wq. 146 (1747). Es spielt das italienische Helianthus Ensemble um die Flötistin Laura Pontecorvo , die mit zahlreichen Spitzen-Ensembles wie der Accademia Bizantina, dem Concerto Italiano oder Europa Galante zusammengearbeitet hat. ♩ C.P.E. Bach: Vocal Music Rheinische Kantorei · Das Kleine Konzert, Hermann Max Brilliant Classics 94818 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948188 Die vorliegende Doppel-CD beinhaltet eines der drei zentralen Oratorien C. P. E. Bachs, “Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu” Wq 240 aus seiner Hamburger Zeit. Die private UrauffĂŒhrung fand Ostern 1774, die erste öffentliche AuffĂŒhrung im MĂ€rz 1778 statt. Hermann Max und Das Kleine Konzert mit der Rheinischen Kantorei nahmen diese Referenzaufnahme mit hervorragenden SĂ€ngern wie Christoph PrĂ©gardien und Barbara Schlick auf. DarĂŒber hinaus beinhaltet das Album eine Aufnahme der frĂŒhen Osterkantate “Gott hat den Herrn auferwecket” Wq 244 (1756), die belegt, dass C. P. E. Bach bereits in seiner Berliner Zeit das Kantaten-Handwerk verstand. ♩ Wilhelm Friedemann Bach: Orchestral Music Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach Berlin, Hartmut HĂ€enchen Brilliant Classics 94690 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: tbc Keinem anderen der vier komponierenden Bachsöhne wurde die musikalische Emanzipation vom Vater so sehr angekreidet, wie Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784). Das Vorurteil, seine gefĂŒhlsbetonten, empfindsamen Kompositionen seien nicht mehr als ein ‘tic douloureux’ sich unter allen UmstĂ€nden vom musikalischen Erbe seiner Familie zu distanzieren, wirkt bis zum heutigen Tage nach. Dabei weisen seine Werke geradezu visionĂ€r auf die kommende Klassik und Romantik hin. Die vorliegende CD fasst Orchesterwerke W. F. Bachs zusammen, die der Dirigent Hartmut Haenchen fachkundig und behutsam rekonstruiert und mit seinem Kammerorchester C. P. E. Bach aufgenommen hat: Zu hören sind Weltersteinspielungen der Sinfonien in D-Dur F. 64, d-moll F. 65 und F-Dur F. 67, außerdem die Sinfonien zur Pfingstkantate F. 88, zur Himmelfahrtskantate F. 91 und zur Weihnachtskantate F. 92 sowie die Suite in g-moll BWV 1070, deren Autorschaft umstritten ist. ♩ BĂ©la BartĂłk: Complete Works for Two Pianos Matteo Fossi · Marco Gaggini, Klavier Brilliant Classics 94737 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947372 Die vorliegende Doppel-CD der beiden italienischen Pianisten Matteo Fossi und Marco Gaggini fasst sĂ€mtliche Klavierduo-Werke von BĂ©la BartĂłk (1881–1945) zusammen: Die Transkriptionen fĂŒr Klavierduo der Suite op. 4, der Ballettmusik “Der wunderbare Mandarin” op. 19 und AuszĂŒgen aus dem “Mikrokosmos”-Zyklus sind mehr kunstvolle Neuschöpfungen denn bloße Reduktionen der Orchesterpartituren. Dazu kommt die berĂŒhmte “Sonate fĂŒr zwei Klaviere und Schlagzeug”, die gemeinsam mit den Perkussionisten Federico Poli und Gianni Giangrasso aufgenommen wurde. Als ‘Zugabe’ beschließen Ligetis “Drei StĂŒcke fĂŒr zwei Klaviere” diese hochinteressante Klavierduo-Veröffentlichung. ♩ Alfredo Casella: Music for Cello and Piano Andrea Favalessa, Cello Maria Semeraro, Klavier Brilliant Classics 94690 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948232 Die vorliegende CD des Cellisten Andrea Favalessa und der Pianistin Maria Semeraro fasst die vollstĂ€ndige Kammermusik fĂŒr Klavier und Cello von Alfredo Casella (1883-1947) zusammen. Sie besteht im Kern aus den beiden Cellosonaten in c-Moll op. 8 (aus dem Jahre 1906) und C-Dur op. 45 (1926), die durch zwei kurze Bearbeitungen, der Tarantella und dem “Notturno” (beide 1929), ergĂ€nzt werden. Die Werke zeichnen sich durch klare Strukturen, weitlĂ€ufige Melodiebögen, akzentuierte Rhythmen und eine insgesamt starke VitalitĂ€t aus. Die beiden Musiker treten seit geraumer Zeit gemeinsam auf und konnten schon einige internationale Kammermusik-Wettbewerbe fĂŒr sich entscheiden. ♩ Claude Debussy: Violin Sonata · Cello Sonata · Piano Trio Trio Stradivari Brilliant 94690 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947662 Diese CD fasst wichtige kammermusikalische Werke von Claude Debussy (1862-1918) zusammen: die Violinsonate (1916/17), die Cellosonate (1915) und das Klaviertrio (1880). Außerdem enthĂ€lt das Album einige Duo-Bearbeitungen bekannter Debussy-Kompositionen. Gemeinsam ergeben sie ein gutes Gesamtbild der Bandbreite seiner Musik. Die Musiker des Trio Stradivari – Federico Guglielmo (Violine), Luigi Puxeddu (Cello) und Jolanda Violante (Klavier) – sind bisher als hervorragende Alte-Musik-Interpreten in Erscheinung getreten. Bei diesem Ausflug ins Fin de SiĂšcle belegen sie, warum Isaac Stern sie â€șzu den besten Musikgruppen zĂ€hlt, die er seit langer Zeit gehört hat.â€č ♩ Henri Dutilleux: Chamber Music with Piano AkanĂš Makita, Klavier Andrea Oliva, Flöte Francesco Di Rosa, Oboe Francesco Bossone, Fagott Brilliant Classics 94738 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947389 Als im Mai vergangenen Jahres Henri Dutilleux (1916-2013) verstarb, verlor die Musikwelt einen der unverwechselbarsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Die italienisch-japanische Pianistin AkanĂš Makika hat mit drei Solisten der Accademia Nazionale di Santa Cecilia vier technisch anspruchsvolle kammermusikalische Werke Dutilleuxs aufgenommen: Die Klaviersonate (aus dem Jahre 1948), die “Sarabande et CortĂšge” fĂŒr Fagott und Klavier (1942), die Sonatine fĂŒr Flöte und Klavier (1943) und die Sonate fĂŒr Oboe und Klavier (1947). Henri Dutilleux, den AkanĂš Makika wĂ€hrend der Vorbereitungen zu diesem Album kontaktierte, zeigte sich vom Projekt »tief bewegt«. Seine persönlichen Worte beseelten die Musiker wĂ€hrend der Aufnahmesessions, die just am Todestag Dutilleuxs, dem 22. Mai 2013, beendet wurden. ♩ Jacques-Martin Hotteterre · Jean-Henri D’Anglebert: Chamber Music with Flutes Les ElĂ©ments Piero Cartosio, Traversflöte Basilio Timpanaro, Cembalo Brilliant Classics 94761 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947617 Jacques-Martin Hotteterre (1674-1763) und Jean-Henri d’Anglebert (1629-1691) sind gewiss nicht die ersten Namen, die man als Musikfreund mit dem Hof Ludwig XIV. verbindet. Dennoch wirkten beide als einflussreiche Musiker am Hofe des Sonnenkönigs, der eine vornehmlich als Flötist, der andere als Cembalist. Beide hinterließen ein schmales ƒuvre, das auf ihre außergewöhnlichen virtuosen FĂ€higkeiten verweist. Die vorliegende CD stellt Hotteterres sechs Triosonaten fĂŒr Flöte op. 3 den kunstvollen Lully-Transkriptionen fĂŒr Cembalo D’Angleberts gegenĂŒber. Obwohl Hotteterre wĂ€hrend seines Studiums in Rom einige italienische Techniken erlernte, sind die hier zusammengefassten Werke beispielhaft fĂŒr die reich verzierte höfische Musik im absolutistischen Frankreich Ludwig XIV. Das italienische Ensemble Les ElĂ©ments hat mit dem Flötisten Piero Cartosio und dem Cembalisten Basilio Timpanaro diese filigrane Kammermusik fĂŒr seine zweite CD ausgewĂ€hlt. ♩ Franz Schubert: Piano Music Alberto Miodini, Klavier Brilliant Classics 94806 (4CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948065 Die Klaviermusik von Franz Schubert (1797-1828) nimmt eine zentrale Rolle innerhalb seines ƒuvres ein. Der italienische Pianist Alberto Miodini hat sich fĂŒr die nun erscheinende 4-CD-Box jener Klavierwerke Schuberts angenommen, die oft ĂŒbergangen werden: die KlavierstĂŒcke-Zyklen und weitere Miniaturen, die Diabelli- und HĂŒttenbrenner-Variationen, Fantasien, TĂ€nze, Scherzi und Fugen, nicht wenige fragmentarisch. Schubert, der Kompositionen abbrach, wenn er sie nicht schnell genug beenden oder ihnen nichts substanziell Neues hinzufĂŒgen konnte, war zeit seines Lebens auf der Suche nach einem markanten Personalstil. Diese Miniaturen zeigen prĂ€gnant auf, wie viele Ideen Schubert auf seiner Suche nach der individuellen ‘Handschrift’ entwickelte. ♩ Bedƙich Smetana: Piano Music Roberto Plano, Klavier Brilliant Classics 94788 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947884 Die vorliegende CD fasst zahlreiche (im besten Sinne) schlichte und zutiefst romantische Klavierkompositionen von Bedƙich Smetana (1824-1884) zusammen. Zu hören sind einige spĂ€te Werke wie das “Andante” in f-Moll oder die “Romanze” in g-Moll, aber auch FrĂŒhwerke wie die “AlbumblĂ€tter”-Sammlungen opp. 2 & 3 oder die “Skizzen” opp. 4 & 5, die er als technisch anspruchslose StĂŒcke fĂŒr das bĂŒrgerliche Publikum komponierte, das stets auf der Suche nach geeignetem Material war. Der junge italienische Pianist Roberto Plano (*1978), der von der New York Times fĂŒr seine â€șkĂŒnstlerische Reife, die seinem Alter weit voraus istâ€č gelobt wurde, zelebriert die liedhaften Melodien und die ungeraden, volkstĂŒmlichen Takte der Werke. ♩ Paolo Ugoletti: Concerto for accordion, guitar and string orchestra (2009) · Emily Dickinson Arias (2010) Orchestra da Camera di Brescia, Filippo Lama Gino Zambelli, Akkordeon Giulio Tampalini, Gitarre Lin Ling Hui, Sopran Brilliant Classics 94762 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947624 Das Werk des italienischen Komponisten Paolo Ugoletti (*1956) lĂ€sst sich nur schwer einer bestimmten Richtung zuordnen. Als SchĂŒler Franco Donadonis fĂŒhlt er sich der Moderne des 20. Jahrhunderts ebenso verpflichtet wie dem Jazz, dem irischen Folk und der weltlichen und geistlichen Chormusik. Die nun bei Brilliant Classics erscheinende CD fasst zwei unterschiedliche Werke Ugolettis der letzten Jahre als Weltersteinspielungen zusammen: Das Konzert fĂŒr Akkordeon, Gitarre und Orchester (2009), eine offenkundige Verneigung vor der Musik Piazzollas, und die “Emily Dickinson Arias” (2010) fĂŒr Sopran und Orchester, sechs vertonte Texte der amerikanischen Dichterin. Es musiziert das Kammerorchester aus Ugolettis Heimatstadt Brescia. Als Solistin der Arien ist die WidmungstrĂ€gerin, die chinesische Sopranistin Lin Ling Hui zu hören. Beim Konzert ĂŒbernehmen Gino Zambelli am Akkordeon und Giulio Tampalini an der Gitarre die Solistenparts. Die ausfĂŒhrklichen Anmerkungen zu den Werken im Booklet wurden vom Komponisten selbst verfasst; die Aufnahmen entstanden im Mai 2012 in der Cavalli Music Hall im norditalienischen Castrezzato.

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7. Februar

Brilliant Classics: Neuheiten im Februar 2014

Jeden Monat erscheinen bei Brilliant Classics hochkarĂ€tige Neuproduktionen, interessante Wiederveröffentlichungen, Lizenzaufnahmen und enzyklopĂ€dische Sammler-Editionen. Auch dieses Mal informiere ich in meinem Neuheiten-Artikel kurz ĂŒber alle kommenden Neuheiten. SĂ€mtliche in diesem Artikel vorgestellten Titel kommen in Deutschland, Österreich und der Schweiz am 21. Februar 2014 in den Handel. Eine Auswahl der hier vorgestellten Titel wird im Laufe der folgenden Wochen ausfĂŒhrlich im Blog vorgestellt werden. Anmerkung zur Schreibweise von Albumtiteln, Komponisten und KĂŒnstlern: Aus GrĂŒnden der Einfachheit und Einheitlichkeit orientiere ich mich an der auf dem Cover verwendeten, englischsprachigen Orthografie. C.P.E. Bach: Harpsichord Concertos Musica Amphion, Pieter-Jan Belder Brilliant Classics 94849 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948492 Zum aktuellen JubilĂ€umsjahr von Carl Philipp Emanuel Bach (es jĂ€hrt sich der 300. Geburtstag) erscheint bei Brilliant Classics eine Aufnahme aus seinem zentralen Werk fĂŒr Tasteninstrumente. Die vorliegende CD fasst drei markante Werke seiner weit ĂŒber sechzig Cembalokonzerte zusammen: die Konzerte in G-Dur Wq3 (H405), g-Moll Wq6 (H409) und E-Dur Wq14 (H417). Der weltweit anerkannte Cembalo-Experte Pieter-Jan Belder und sein Ensemble Musica Amphion haben die drei Konzerte auf Originalinstrumenten mit Sachverstand und unĂŒberhörbarer Musizierfreude aufgenommen. ♩ C.P.E. Bach: Recorder Concertos · Chamber Music Collegium Pro Musica, Stefano Bagliano Brilliant Classics 94864 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948645 C.P.E. Bachs musikalischer Kosmos beschrĂ€nkt sich nicht nur auf seine Werke fĂŒr Cembalo. Auf der vorliegenden CD sind unbekanntere Konzerte und Kammermusik-Kompositionen fĂŒr Blockflöte zusammengefasst: Das Konzert fĂŒr Blockflöte und Streicher in d-Moll Wq 22, das Konzert in Es-Dur fĂŒr Cembalo, zwei Blockflöten und Streicher Wq 108, das Quartett in a-Moll fĂŒr Cembalo, Blockföte, Violine und Cello Wq 93 und das Trio in F-Dur fĂŒr Bass-Blockflöte, Viola und Basso Continuo Wq 159. Der Dirigent und Blockflötist Stefano Bagliano und der bekannte Violinist Federico Guglielmo haben gemeinsam mit dem italienischen Originalinstrumente-Ensemble Collegium Pro Musica diese aufschlussreiche Zusammenstellung aufgenommen. ♩ Johann Christian Bach: Six Sonatas Op.17 Bart van Oort, Fortepiano Brilliant Classics 94661 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421946610 Der ‘Londoner Bach’ Johann Christian Bach (1735-1782) gilt als einer der ersten Komponisten, die sich dem damals neuen Fortepiano und seinen Ausdrucksmöglichkeiten widmete. Der niederlĂ€ndische Fortepiano-Spezialist Bart van Oort hat nach seiner vor kurzem veröffentlichten CD mit J. C. Bachs “Sechs Sonaten” op. 5 (Brilliant Classics 94634) nun auch dessen zweiten Zyklus dieser Art, die “Sechs Sonaten” op. 17 eingespielt. Ähnlich wie schon bei der ersten Sonatensammlung Opus 5, deckt J. C. Bach in den sechs Sonaten eine breitest mögliche Spanne der Kompositionsarten und Stimmungen ab, von der pathetischen Sonate No. 1 in G-Dur bis zur epischen Sonate No.6 in c-Moll. Stilistisch stehen die Werke des jĂŒngsten Bachsohns den Sonaten Mozarts aus dieser Zeit sehr nahe. ♩ Johann Sebastian Bach: Complete Organ Music – Volume I Stefano Molardi, Orgel (T.H.G. Trost-Orgel, Stadtkirche ‘Zur Gotteshilfe’, Waltershausen (ThĂŒringen)) Brilliant Classics 94850 (4CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948508 Eine Neuaufnahme des Gesamtwerks fĂŒr Orgel von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist selbst heutzutage, da es an Bach-Einspielungen wahrlich nicht mangelt, ein besonderes Ereignis. Wer sich dieser Herausforderung stellt, muss sich an einer beachtlichen Konkurrenz messen lassen. Der italienische Organist Stefano Molardi hat sich fĂŒr seine Reise durch Bachs Orgelwelt vorgenommen, das Hörerlebnis des Musikfreundes in den Mittelpunkt zu stellen. Aus dem Orgelwerk Bachs will Molardi CD fĂŒr CD eigenstĂ€ndige Recitals zusammenstellen, die die verschiedenen Aspekte der vielseitigen Kompositionen beleuchten. Immerhin macht die Orgelmusik rund ein FĂŒnftel des Bachschen Gesamtwerkes aus und wurde ĂŒber einen Zeitraum von rund 40 Jahren geschrieben. ♩ Anton Bruckner: Complete Symphonies Gewandhausorchester Leipzig, VĂĄclav Neumann (No. 1) · Kurt Sanderling (No. 3) Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin, Franz Konwitschny (No.2) · Heinz Rögner (Nos. 4–9) Brilliant Classics 94686 (9CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421946863 Heinz Rögner (1929-2001) gehörte zu den profiliertesten Dirigenten der ehemaligen DDR, der mit seiner Arbeit als langjĂ€hriger Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin mit seinem prĂ€zisen Stil die hohe Klangkultur des Ensembles entscheidend prĂ€gte. Seine hier zusammengefassten Interpretationen der ‘reifen’ Sinfonien Nos. 4–9 von Anton Bruckner (1824-1896) zeichnen sich durch lebhafte Tempi, interpretatorische Klarheit und den Verzicht auf alles aufgesetzt Pathetische, Schicksalhafte aus. Durch die betont nĂŒchterne Lesart wirken Rögners Interpretationen auch heute noch, fast 30 Jahre nach ihrem Entstehen, ĂŒberaus modern und sind ein echter Geheimtipp fĂŒr Bruckner-Fans. ErgĂ€nzt werden Rögners Aufnahmen durch herausragende Einzel-Aufnahmen aus den Eterna-Archiven von VĂĄclav Neumann (Sinfonie No. 1), Franz Konwitschny (No. 2) und Kurt Sanderling (No. 3). ♩ Joan Baptista Cabanilles: Mortales que AmĂĄis – Complete Vocal Music Amystis, JosĂ© Duce Chenoll Brilliant Classics 94781 (2CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947815 Der spanische Organist und Komponist Juan Bautista JosĂ© Cabanilles (1644-1712; auf Katalanisch Joan Baptista Josep Cabanilles) galt zu Lebzeiten als der grĂ¶ĂŸte lebende Komponist seiner Heimat, mitunter wird er auch als der ‘spanische Bach’ bezeichnet. Seine Kompositionen sind virtuos und richtungweisend, generell aber fest in der spanischen Tradition verwurzelt. Der Kammerchor Amystis , gleichzeitig auch eine musikwissenschaftliche Gesellschaft, hat fĂŒr die vorliegende Doppel-CD nun erstmalig die vollstĂ€ndig (erhaltene) Chormusik Cabanilles aufgenommen. Grundlage fĂŒr die Aufnahmen ist die kritische Edition der Chorwerke, die JosĂ© Chenoll, der Leiter des Ensembles, erstellt hat. ♩ Francesco Cilea: Chamber Music Ilaria Cusano, Violine Jacopo Di Tonno, Cello Domenico Codispoti, Klavier Brilliant Classics 94443 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421944432 Die auf der vorliegenden CD zusammengefasste Kammermusik von Francesco Cilea (1866-1950) entstand teilweise noch wĂ€hrend seiner Ausbildung am neapolitanischen Konservatorium: Das Trio fĂŒr Violine, Cello und Klavier in D-Dur wurde 1886 fertiggestellt, die Cellosonate in D-Dur folgte 1888. Der “Canto” aus den “Tre vocalizzi” entstand 1931 und das “Tema con variazioni per violino e pianoforte” 1932 zu einer Zeit, in der sich Cilea weitgehend vom Komponieren zurĂŒckgezogen hatte und sich seiner pĂ€dagogischen TĂ€tigkeit am Konservatorium in Neapel widmete. Aufgenommen wurden diese Weltersteinspielungen von den drei jungen italienischen Musikern Ilaria Cusano (Violine), Jacopo Di Tonno (Cello) und Domenico Codispoti (Klavier). ♩ Daniel Magnus Gronau: Chorale Variations Matteo Venturini, Klavier & Orgel (Glauco-Ghilardi-Orgel, Chiesa di San Rocco, Larciano (I) Brilliant Classics 94843 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421948430 Daniel Magnus Gronau (ca. 1700-1747) hinterließ der Nachwelt sein kompositorisches Hauptwerk, die “Choralvariationen”, eine umfangreiche Sammlung von, fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse, revolutionĂ€r neuartigen Kompositionen. Sie verlangen virtuoses Spiel auf zwei Manualen mit der rechten Hand, bei gleichzeitiger Begleitung nach Art einer Basso-Continuo-Gruppe durch Pedale und linke Hand. Diese Choralvariationen gehören zu den umfangreichsten erhaltenen Kompendien der Epoche. Der italienische Organist Matteo Venturini hat fĂŒr die vorliegende CD fĂŒnf Choralvariationen Gronaus als Weltersteinspielungen aufgenommen: ein starkes PlĂ€doyer fĂŒr die Wiederentdeckung dieses norddeutschen Meisters. ♩ Marin Marais: PiĂšces de Viole, Book V Rainer Zipperling, Gambe Ghislaine Wauters, Gambe Pieter-Jan Belder, Cembalo Brilliant Classics 94646 (4CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421946467 Marin Marais (1656-1728) hinterließ ein umfangreiches ƒuvre, das neben einigen Opern und geistlichen Werken ĂŒber 800 Kompositionen fĂŒr Gambe enthĂ€lt. Die vorliegende 4-CD-Box enthĂ€lt eine Neuaufnahme des fĂŒnften und letzten Buches der “Pieces de violes”, das 1725 erschien. Das reife SpĂ€twerk Marais enthĂ€lt ein breiteres Spektrum an musikalischen Formen und erforderlichen Spieltechniken als die vorangegangenen BĂŒcher. Das deutsch-belgisch-niederlĂ€ndische Trio Rainer Zipperling, Ghislaine Wauters (Gambe) und Pieter-Jan Belder (Cembalo) hat die sieben umfangreichen Suiten auf Originalinstrumenten fĂŒr diese Brilliant-Classics-Neuproduktion aufgenommen. ♩ Robert Schumann: Complete Organ Music Roberto Martini, Orgel (Mascioni-Orgel, Abtei von San Tommaso Apostolo, Pontevico (I)) 94721 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947211 Robert Schumann (1810-1856) verehrte die Musik Bachs. Sie veranlasste ihn zu intensiven Kontrapunktstudien, die gemeinsam mit seinen Experimenten am PedalflĂŒgel in drei Kompositionen fĂŒr PedalflĂŒgel oder Orgel mĂŒndeten. Der italienische Organist und Romantik-Experte Roberto Marini hat fĂŒr die vorliegende CD mit den “Sechs Studien fĂŒr PedalflĂŒgel” (Sechs StĂŒcke in kanonischer Form) op. 56, den “Skizzen fĂŒr PedalflĂŒgel” op. 58 und den “Sechs Fugen ĂŒber B-A-C-H” op. 60 Schumanns vollstĂ€ndige Musik fĂŒr Orgel (oder PedalflĂŒgel) aufgenommen. Als Instrument wĂ€hlte er eine 2009 erbaute Mascioni-Orgel, die mit ihrer Bauart wie geschaffen ist fĂŒr diese Art von Repertoire. ♩ Dmitri Shostakovich: Michelangelo Suite · Pushkin Romances · Japanese Romances Anatoli Kotscherga · Anatoli Babykin, Bass Wladimir Kasatschuk, Tenor WDR Sinfonieorchester Köln, Michail Jurowski Brilliant Classics 94649 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421946498 Das zentrale Werk der vorliegenden CD, die “Suite nach Worten von Michelangelo Buonarroti” op. 145a gehört zu den hoffnungslosesten Werken von Dmitri Shostakovich (1906–1975). “Wahrheit”, “Trennung”, “Zorn”,”Dem Verbannten”, “Nacht”, “Tod” usw. – schon die Textauswahl lĂ€sst die dĂŒstere Todesahnung und die bittere Abrechnung mit dem Leben des Komponisten erahnen. Michail Jurowski, ausgewiesener Shostakovich-Fachmann, der sich gerade um die (vermeintlichen) Nebenwerke Dmitri Dmitrijewitschs verdient gemacht hat, nahm die Michelangelo-Suite gemeinsam mit den “Sechs Romanzen” op. 21 und den “Drei Puschkin-Romanzen” op. 46a Mitte der 1990er Jahre gemeinsam mit dem WDR Sinfonieorchester Köln auf. ♩ Joseph de Torres: Complete Organ Music Bruno Forst, Orgel (Orgel der Pfarrkirche Santa Quiteria, Elche de la Sierra (Spanien)) Brilliant Classics 94715 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN : 5028421947150 Das ƒuvre von Joseph de Torres (manchmal auch JosĂ©, 1665-1738) fand ĂŒberregionale Beachtung bis nach Portugal, Großbritannien und Italien. De Torres erhielt sogar KompositionsauftrĂ€ge aus Lateinamerika. WĂ€hrend in seinen Vokalwerken italienische, in seinen Instrumentalwerken französische EinflĂŒsse erkennbar sind, ist sein kleines Orgelwerk fest in der spanischen Tradition der ‘Daroca-Schule’ verwurzelt. Der französische Organist Bruno Forst, Kenner der iberischen Orgelmusik, hat aus den erhaltenen Manuskripten in Mexiko und Portugal eine kritische Notenausgabe erstellt und die vollstĂ€ndige Orgelmusik von Joseph de Torres als Weltersteinspielung fĂŒr die vorliegende CD-Produktion aufgenommen. ♩ Various – A German Soul: Devotional Music from 17th Century Hamburg Juan de la Rubia, Orgel Laia FrigolĂ©, Sopran Ensemble MĂ©ridien Brilliant Classics 94717 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421947174 Die vorliegende CD fasst abwechselnd Kantaten von Johann RosenmĂŒller , Johann Philipp Krieger und Dieterich Buxtehude und instrumentale ChorĂ€le und Sonaten von Heinrich Scheidemann , Michael Praetorius , Franz Tunder , Matthias Weckmann zu einem Panoptikum der norddeutschen Barockmusik zusammen. Die meisten der hier vertretenen Komponisten waren im weitesten Sinne VorlĂ€ufer von Johann Sebastian Bach, dessen Triosonate in d-Moll BWV 527 ebenfalls zu hören ist. Das erst 2010 gegrĂŒndete Alte-Musik-Ensemble MĂ©ridien aus Barcelona debĂŒtiert mit dieser programmatischen CD. UnterstĂŒtzt wird es dabei vom Organisten Juan de la Rubia und der Sopranistin Laia FrigolĂ©. ♩ Various – Weep and Rejoice: Music for Holy Week from the Convents of 17th Century Italy Cappella Artemisia, Candace Smith Brilliant Classics 94638 (CD) → amazon.de | → jpc.de EAN: 5028421946382 Die vorliegende CD fasst Vokalwerke aus italienischen Klöstern des 17. Jahrhunderts zusammen, die von oder fĂŒr Nonnen von insgesamt 20 Komponistinnen und Komponisten (darunter Monteverdi) geschrieben wurden. Geistliche Musik war fest in den Tagesablauf des Klosterlebens eingebunden und orientierte sich am Kirchenjahr. Die hier zusammgefassten Werke sind in zwei Gruppen unterteilt: Kompositionen fĂŒr die Passionszeit und Kompositionen fĂŒr die Auferstehung (also die Zeit unmittelbar nach dem Osterfest). Das italienische Frauenensemble Cappella Artemisia macht sich nicht zum ersten Mal um die Wiederbelebung der ansonsten unbeachteten weiblichen Vokaltradition im katholischen Italien verdient.

Georg Friedrich HĂ€ndel
(1685 – 1759)

Georg Friedrich HĂ€ndel (23. Februarjul. 1685 - 14. April 1759) war ein deutsch-britischer Komponist in der Epoche des Barocks. Sein Hauptwerk umfasst 42 Opern und 25 Oratorien – darunter den Messias mit dem bekannten Chorwerk „Halleluja“ – sowie zahlreiche Werke fĂŒr Orchester und Kammermusik. HĂ€ndel, dessen kĂŒnstlerisches Schaffen sich auf alle musikalischen Genres seiner Zeit erstreckte, war gleichzeitig als Opernunternehmer tĂ€tig. Er gilt als einer der fruchtbarsten und einflussreichsten Musiker ĂŒberhaupt. HĂ€ndels Werke gehören seit mehr als 250 Jahren ununterbrochen zum AuffĂŒhrungsrepertoire, lĂ€nger als die jedes anderen Komponisten.



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